Analyse · 28. Juli 2026
Was nicht ins Modell darf: Form, Verletzungen und andere gute Geschichten
„Ihr zeigt die Formkurve doch an — warum rechnet ihr sie nicht ein?“ Das ist die häufigste Fachfrage an unser Modell, und sie verdient eine ehrliche Antwort: Wir haben es versucht. Mehrfach, mit sauberen Rücktests. Es hat die Prognosen nicht besser gemacht — und was eine Prognose nicht messbar besser macht, fliegt bei uns nicht ins Modell, egal wie gut die Geschichte klingt.
Drei Versuche, drei Absagen
Verletzungen und Sperren. Wir haben ein Verletzungs-Signal aus Kader-Ausfällen gebaut und über 118 WM-Spiele rückgetestet — drei Modellvarianten, identisch bis auf dieses eine Signal, damit der Unterschied allein daher kommt. In den 50 Spielen, in denen sich die Varianten überhaupt unterschieden, verbesserte sich der Prognosefehler um gerade einmal 0,0007 — ein Wert so nah an null, dass er sich von Rauschen nicht unterscheiden lässt. Nicht übernommen.
Formkurve und direkte Duelle. Für die Vereins-Ligen haben wir fünf Varianten eines Form-Signals getestet — Punkteform, Torbilanz, Leistung über oder unter der Elo-Erwartung, direkte Duelle und Kombinationen —, streng leckfrei: Jedes Signal kannte nur Spiele, die vor dem jeweiligen Spieltag lagen. Das beste Ergebnis vor dem Marktabgleich: 0,0008 weniger Prognosefehler. Nach dem Abgleich mit den Marktquoten, der in unserer Pipeline ohnehin läuft: exakt ±0,0000. Die Form steckt schon drin — in der Elo, die jedes Ergebnis sofort verarbeitet, und im Markt, der Aufstellungen und Ausfälle einpreist, bevor wir sie in einer Statistik sehen.
Schussstatistiken. Zuletzt haben wir rollierende Profile aus Schüssen aufs Tor als Signal getestet — die Lieblingsmetrik vieler Datenfans. Ohne Marktabgleich: flach bis leicht schädlich. Mit: ±0,000. Dritte Absage, gleiches Muster.
Warum das kein Zufall ist
Alle drei Signale scheitern am selben Punkt: Sie erzählen etwas, das die beiden stärksten Zutaten des Modells schon wissen. Eine Elo-Stärke, die nach jedem Spiel aktualisiert wird, ist eine Formkurve — nur eine mit Gedächtnis. Und die Marktquote bündelt die Einschätzungen von Menschen, die Aufstellungen, Verletzungen und Motivation verfolgen, bevor irgendeine API sie führt. Ein zusätzliches Signal müsste Information enthalten, die beide nicht haben. Die Rücktests sagen: Form, Ausfälle und Schüsse haben sie nicht.
Warum wir es trotzdem anzeigen
Auf den Spielseiten stehen Formkurve und Ausfälle trotzdem — als Kontext, nicht als Zutat. Sie beantworten die Frage „Wie kommen die beiden ins Spiel?“, die sich jeder Fußballfan stellt. Aber sie verschieben keine einzige Wahrscheinlichkeit. Diese Trennung ist bei uns Prinzip: Was der Leser wissen will, wird angezeigt; was die Prognose beweisbar verbessert, wird eingerechnet — und die Grenze zwischen beidem zieht der Rücktest, nicht das Bauchgefühl.
Ein Modell wird nicht besser, indem man ihm mehr erzählt — sondern indem man ihm nur erzählt, was es noch nicht weiß. Wie unsere Prognosen entstehen, steht unter So funktioniert’s; ob sie stimmen, zeigt die Bilanz.