Wochenbilanz · 7. September 2026
Wochenbilanz KW 36: Belgien trägt, Schweden trägt gar nichts
Zehn von zwölf in Belgien – da hat die Engine mal richtig zugelangt
Die Jupiler Pro League, also Belgiens höchste Spielklasse, war diese Woche unser Wohnzimmer. Zehn von zwölf Partien in der Tendenz getroffen, macht 83 Prozent. Bei einer Liga, die für ihre wilden Ergebnisse bekannt ist, ist das kein Zufallstreffer, sondern eine Woche, in der Datenlage und Realität mal dieselbe Sprache gesprochen haben.
Und es blieb nicht allein. Der österreichische Pokal lief mit 13 von 16 fast genauso rund – Pokal, wohlgemerkt, dem Wettbewerb, in dem angeblich alles möglich ist. Frankreichs zweite Liga steuerte sieben von neun bei. Wenn du dir nur diese drei Blöcke ansiehst, war das eine richtig gute Woche.
Nur ist das eben nicht die ganze Woche.
443 Spiele, 232 Treffer – und ein Prozentpunkt, der wehtut
Unterm Strich stehen 52 Prozent Tendenz-Trefferquote aus 443 ausgewerteten Spielen. Der Saisonwert über alle Wettbewerbe liegt bei 53 Prozent aus 2256 Spielen. Also: leicht drunter. Kein Einbruch, kein Grund für große Reden, aber eben auch kein Fortschritt. Wer eine Woche lang 443 Partien durchrechnet und am Ende einen Tick unter dem eigenen Schnitt landet, hat schlicht durchschnittlich gearbeitet.
Ordentlich sieht dagegen die stärkste Ansage aus: 335 von 443, 76 Prozent. Das ist der Wert, bei dem sich die Engine auf ihre jeweils sicherste Aussage pro Spiel festlegt – und die hielt in drei von vier Fällen. Die exakten Ergebnis-Prognosen bleiben das, was sie immer sind: eine Lotterie mit Rechenhilfe. 53 von 443 Endstände auf den Punkt. Mehr sollte auch niemand erwarten.
Eins von neun. In Worten: eins
Und dann Schweden. In der Superettan, dem schwedischen Unterhaus, haben wir von neun Spielen genau eines in der Tendenz getroffen. Elf Prozent. Ganz ehrlich: Wer neun Partien blind mit „Heimsieg" durchmarkiert, kommt in der Regel weiter. Das ist kein Ausrutscher, den man wegdiskutiert, das ist eine Klatsche.
Was es nicht ist: ein Urteil über das Modell. Neun Spiele sind neun Spiele, und die Superettan ist eine Liga, in der die Tabelle im Spätsommer regelmäßig zu wackeln beginnt – Aufstiegsdruck oben, Abstiegspanik unten, und plötzlich spielt jeder anders als in den Wochen davor. Trotzdem: Eine Zahl mit einer Eins vorne bei neun Versuchen darf man nicht kuschelig einordnen. Die war schlecht.
Skandinavien und die kleineren Unterhäuser waren generell unser Problemgebiet: Irlands zweite Liga, Norwegens zweite Liga, Polens zweite Liga, Griechenlands zweite Liga – überall Werte zwischen 20 und 29 Prozent. Fünf Ligen, ein Muster. Je dünner die Datenlage und je größer die Kaderrotation, desto weniger hilft Rechnerei.
Sinnbild dafür: Stabaek gegen Moss endete 2:3. Unser größter Fehlgriff der Woche, und zwar einer von der Sorte, bei der du hinterher noch dreimal auf den Endstand schaust.
Auf der anderen Seite der Skala stand HEBC gegen Dortmund. 0:5, Tendenz getroffen, keine Überraschung. Manchmal muss ein Orakel auch einfach mal nichts falsch machen.
Sechs von sieben Ketten – und eine, die an einem Freitagabend zerbrach
Sieben Anker-Ketten wurden abgerechnet, sechs haben gehalten. Gerissen ist eine, am 5. September, mit vier Prophezeiungen – darunter ein LASK-Sieg beim unterklassigen Deutschlandsberger SC, Über 1,5 Tore bei Dinamo Zagreb gegen HNK Gorica und Über 1,5 Tore bei Manchester City gegen Coventry City. Klingt nach Kombinationen, die man im Schlaf abhakt. Genau die reißen dann.
Weniger Freude macht der Blick auf unseren Blog-Artikel der Woche. „Millwall gegen Wrexham: Warum das Tor ein Nadelöhr wird" – die These war ein enges, zähes Spiel, die Ergebnis-Prognose lautete 1:0. Endstand: 0:3. Nadelöhr? Eher Scheunentor. Wenn ein Text so daneben liegt, hilft kein Nachjustieren im Nachhinein, dann war die Grundannahme einfach falsch.
Was diese Woche eigentlich erzählt
Sie erzählt etwas, das wir hier ungern schreiben, weil es unspektakulär ist: Das Modell ist da gut, wo viel gespielt und viel gemessen wird. Belgiens Eliteklasse, Frankreichs zweite Liga, sogar ein Pokalwettbewerb mit klaren Klassenunterschieden – da funktioniert die Engine. In den kleinen Unterhäusern Nordeuropas, wo drei verletzte Stammspieler die halbe Elf verändern, funktioniert sie deutlich schlechter. Das ist keine neue Erkenntnis, aber diese Woche hat sie mit 11 Prozent unterstrichen.
Wäre es klüger, solche Ligen einfach wegzulassen? Wir finden: nein. Eine Prognose, die sich nur dorthin traut, wo die Datenlage bequem ist, hat wenig Wert. Aber wir sagen dir künftig deutlicher dazu, wo wir auf dünnem Eis stehen. Wie siehst du das – lieber weniger Wettbewerbe mit höherer Trefferquote oder Breite mit ehrlicher Fehlerkennzeichnung?
Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
Jede Zahl nachprüfbar
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