Wochenbilanz · 14. September 2026
Wochenbilanz KW 37: 80 Prozent in Schottlands vierter Liga
Vier von fünf in der schottischen League Two
Schottlands vierte Liga. Fünf Spiele, vier richtige Tendenzen, 80 Prozent. Die kleinste Bühne der Woche, und ausgerechnet dort hat die Prorakel-Engine am saubersten gearbeitet. Falls du dich fragst, wovon hier die Rede ist: Das ist die unterste Profistufe im schottischen Ligabetrieb, kleine Klubs, kleine Stadien, wenig Fernsehgeld – und offenbar erstaunlich berechenbare Ergebnisse.
Die Stichprobe ist winzig, klar. Aber sie stand diese Woche nicht allein da. In der Champions League gab es 14 Treffer aus 18 Partien, und da reden wir über die Liga, in der angeblich immer alles möglich ist. 78 Prozent auf der größten Bühne des Kontinents – das nehmen wir. Dazu neun von zwölf im kroatischen Pokal, wo Erstligisten auf Amateurvereine treffen und man theoretisch nur die Favoriten durchwinken muss. Theoretisch. Praktisch geht so ein Pokal gern mal schief, und diesmal eben nicht.
Und dann ist da noch der Wert, der die ganze Woche zusammenhält: 317 von 406. Die Stärkste Ansage – also jene Prognose, hinter der die Engine pro Spiel am meisten Überzeugung hat – lag in 78 Prozent der Fälle richtig. Das ist der Teil des Modells, der funktioniert hat, während drumherum einiges gewackelt hat.
Und jetzt der Teil, der wehtut
406 ausgewertete Spiele, 195 richtige Tendenzen. Macht 48 Prozent. Der Saisonwert über 2661 Spiele liegt bei 52 Prozent. Vier Prozentpunkte unter dem eigenen Schnitt, keine Katastrophe, aber eben auch nichts, was man sich schönreden müsste. Es war eine unterdurchschnittliche Woche. Punkt.
Am deftigsten war es in der Schweiz. Höchste Spielklasse, sechs Spiele, genau eine richtige Tendenz. 17 Prozent. Ganz ehrlich: Wer bei sechs Partien blind Heimsieg angekreuzt hätte, wäre vermutlich besser rausgekommen. Sechs Spiele sind keine Grundsatzdiagnose, das ist eine Handvoll Ergebnisse in einer Liga mit zwölf Klubs, die traditionell eng beieinanderliegen. Trotzdem: Wenn dein Modell in einer Topliga eine derartige Woche hinlegt, schaust du dir die Datenlage hinterher noch mal genauer an, statt achselzuckend weiterzumachen.
Ähnlich zäh lief es eine Etage tiefer in Dänemark und Norwegen – in den jeweiligen zweiten Ligen kamen wir zusammen kaum über ein Viertel richtiger Tendenzen hinaus. Und die deutsche 3. Liga, immerhin unser Heimatrevier, lieferte zwei Treffer aus zehn Spielen. Das ist die Liga mit den zwanzig Vereinen, in der jede Woche irgendein Tabellenletzter beim Spitzenreiter punktet. Erklärt viel. Entschuldigt nicht alles.
Exakte Ergebnis-Prognosen: 43 von 406. Klingt mager, ist aber ungefähr das, was in dieser Disziplin realistisch drin ist – wer behauptet, er sage regelmäßig Endstände voraus, erzählt dir Märchen.
Zwei gerissene Ketten und ein Flatterball aus Piräus
Sieben Anker-Ketten abgerechnet, fünf gehalten, zwei gerissen. Am 9. September hing die Dreierkette an Dinamo Zagreb, dem VfB und einem Torfestival in Glasgow – Dinamo lieferte, der Rest nicht sauber genug. Zwei Tage vorher riss schon eine Zweierkette, beide Male an der simpelsten Ansage überhaupt: über 1,5 Tore. Weder bei Al-Hilal gegen NEOM noch beim schwedischen Klassiker Malmö gegen AIK fielen genug Buden. Zwei torarme Abende reichen, und die Kette liegt in Einzelteilen da. So funktioniert das eben.
Der schönste Moment der Woche kam aus Kroatien: Bedem Ivankovo gegen Dinamo Zagreb, ein Pokalspiel zwischen dem Serienmeister und einem Klub, den außerhalb Slawoniens niemand auf dem Zettel hat. Endstand 0:4, Tendenz sitzt. Der bitterste kam aus Griechenland. Olympiakos verliert zu Hause 0:1 gegen OFI Kreta – da war die Engine so weit daneben, dass es fast schon wieder lustig ist.
Bleibt der Blog. Ein Artikel in dieser Woche, Real Madrid gegen Inter, aufgehängt an Mourinhos 2010er-Geschichte. Ergebnis: 2:1. Tendenz getroffen, und die Ergebnis-Prognose lautete exakt 2:1. Wenn sich das Modell schon mal aus dem Fenster lehnt, dann bitte so.
Was diese Woche eigentlich erzählt
Meine These: Diese Bilanz ist weniger ein Modellproblem als ein Ligenproblem. Da, wo die Kräfteverhältnisse klar und die Daten dicht sind – Champions League, Pokalrunden mit großen Unterschieden –, lag die Engine deutlich über ihrem Schnitt. Da, wo enge Ligen mit austauschbaren Kadern spielen, zweite Ligen in Skandinavien, die deutsche 3. Liga, die Schweizer Super League mit ihren wenigen Teams, ging reihenweise die Tür zu. Ausgerechnet in den Wettbewerben, in denen jede Statistik in einer Handvoll Spielen kippen kann.
48 statt 52 Prozent, und ich glaube nicht, dass daraus ein Trend wird. Eine Woche ist eine Woche, 406 Spiele sind gegen 2661 immer noch eine Momentaufnahme. Aber sie ist dokumentiert, und zwar mit den hässlichen Zahlen. Alles andere wäre Kosmetik.
Wie siehst du das – überbewertest du eine einzelne schwache Woche, oder schaust du bei so was zuerst auf die Liga, die danebenlag?
Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
Jede Zahl nachprüfbar
Alle Prognosen und ihre Auswertung — eingefroren vor Anpfiff, abgerechnet nach 90 Minuten.