Süper Lig · 18. September 2026
Kasimpasa gegen Konyaspor: 17 Spiele ohne Sieg – und jetzt?
Siebzehn Spiele. Kein Sieg. Kasimpasa hat gegen Konyaspor zuletzt vor acht Jahren gewonnen, und in Beyoglu rollt trotzdem gerade eine der besseren Geschichten der Saison an: Der Klub ist in Türkeis Oberhaus, der Süper Lig, erstmals überhaupt nach fünf Spieltagen noch ungeschlagen, steht auf Rang vier und spielt unter Emre Belözoglu einen Fußball, der Spiele auch dann noch dreht, wenn sie eigentlich weg sind.
Und trotzdem: Die Prorakel-Engine macht daraus keine klare Sache. 44 Prozent Kasimpasa, 28 Prozent Remis, 28 Prozent Konyaspor – das ist eine Tendenz, mehr nicht. Die Konfidenz liegt bei 44 Prozent, Einstufung OFFEN, gerade mal 16 Prozentpunkte trennen den Favoriten vom Unentschieden. Die Ergebnis-Prognose lautet 1:0, aber sie ist genau das: das wahrscheinlichste unter mehreren fast gleich wahrscheinlichen Ausgängen. Die 28 Prozent auf ein Remis solltest du dabei mindestens so ernst nehmen wie die Heimstärke. Wer hier ein Ergebnis vorhersagt, würfelt mit einem leicht gezinkten Würfel – leicht.
Siebzehn Versuche, und keiner ging auf
Dieser Angstgegner-Kram ist normalerweise das Erste, was ich aus Vorschauen streiche. Statistik-Deko, mehr nicht. Aber siebzehn Spiele sind keine Deko mehr, das ist fast ein halbes Jahrzehnt Fußball zwischen zwei Klubs, die sich ungefähr auf Augenhöhe bewegen. Irgendwann fängt so eine Serie an, in Köpfen zu wohnen – im Stadion, auf dem Platz, in der Kabine.
Die Einstufung sagt derweil etwas anderes: 1514 für Kasimpasa, 1481 für Konyaspor. Das ist kein Graben, das ist eine Bordsteinkante. Genau deshalb ist dieses Spiel so schwer zu greifen. Die Form spricht deutlich für die Gastgeber, die Historie kompromisslos für die Gäste, und die Stärkewerte zucken nur mit den Schultern.
Zweimal in fünfzehn Minuten alles gedreht
Was Kasimpasa diese Saison auszeichnet, hat man zuletzt in Ankara gesehen. Gegen Genclerbirligi lagen sie hinten, es lief die 79. Minute, Adrian Benedyczak stellte auf 1:1 – und in der vierten Minute der Nachspielzeit machte Güven Yalcin das 2:1. Zwei Buden in einer Viertelstunde, aus einer Niederlage wurde ein Auswärtsdreier.
Neun Punkte aus fünf Spielen, 7:5 Tore, zwei Siege und drei Remis. Das ist keine Mannschaft, die dich überrollt. Das ist eine, die drinbleibt und wartet, bis du einmal blinzelst. Für einen Klub, der die vergangenen Jahre eher mit dem Blick nach unten verbracht hat, ist dieser Start mehr wert als jedes Sommer-Versprechen.
Vier Pleiten, dann ausgerechnet Trabzonspor
Konyaspor kam mit vier Niederlagen aus vier Spielen in den fünften Spieltag. Vier. Dann stand plötzlich Trabzonspor in Konya auf dem Platz, und nach knapp zwei Minuten lag der Ball schon drin: Diogo Goncalves flankte flach in den Sechzehner, Rajmund Toth schob ins lange Eck. Danach machte Ilhan Paluts Elf das, was Mannschaften mit angeknackstem Selbstvertrauen tun müssen – sie verteidigte die Bude mit allem, was ging, und brachte das 1:0 über die Zeit.
Ganz ehrlich: Ein Sieg gegen Trabzonspor repariert keine Saison, aber er repariert eine Woche. Die Formkurve bleibt trotzdem ernüchternd – drei Punkte aus fünf Spielen, 4:8 Tore, vier Pleiten und dieser eine Befreiungsschlag. Wenn du dir die Zahlen ansiehst, ist das kein Aufwärtstrend, das ist ein Ausrufezeichen ohne Satz davor. Die spannende Frage: War das der Kipppunkt oder der einzelne gute Tag?
Ein Abend für Freunde des trockenen Fußballs
Die Stärkste Ansage der Engine ist kein Sieger, sondern eine Torgrenze: Unter 3,5 Tore mit 72 Prozent. Die separate Tore-Einschätzung geht sogar auf 74 Prozent. Erwartete Tore: 1,4 zu 1,2. Das riecht nach einem Spiel, das sich im Sechser-Raum entscheidet, nach zweiten Bällen, nach Standards, nach einem Treffer, der irgendwann fällt, weil einer den Fuß reinhält.
Und das passt ins Bild beider Teams. Kasimpasa gewinnt gerade knapp, Konyaspor hat sein einziges Erfolgserlebnis mit einem 1:0 geholt. Wer hier auf Spektakel hofft, hofft gegen die Datenlage.
Vier fehlen – und einer davon fehlt richtig
Bei Kasimpasa stehen vier Ausfälle auf dem Zettel: K. Corekci, A. Baldursson, H. Hajradinovic und M. Ouanes. Das ist keine Lappalie. Ouanes war in der Vergangenheit einer der Spieler, die dieser Mannschaft Richtung gaben, Hajradinovic ohnehin ein Kreativposten. Zwei Bausteine im Zentrum und in der Kette raus – bei einem Kader dieser Größenordnung merkst du das.
Konyaspor kommt personell entspannter daher, E. Bardhi fällt aus. Dazu fehlt den Gästen ein weiterer Offensivmann, der in Konya zuletzt regelmäßig auf dem Platz stand. Unterm Strich: Die Gäste haben in Sachen Personal den kleineren Schaden zu verwalten, und das ist in einem Spiel, das an einer einzigen Aktion hängen könnte, kein Nebenschauplatz.
Wo unsere Engine in der Türkei bisher steht
Ehrlichkeit gehört dazu. Insgesamt liegt die Prorakel-Engine bei 53 Prozent getroffener Tendenzen über 2768 ausgewertete Spiele – solide, quer durch alle Wettbewerbe. In der Süper Lig sieht es anders aus: 38 Prozent bei 45 Spielen. Eine kleine Stichprobe, klar, aber trotzdem eine, die zur Demut zwingt. Diese Liga hat eine Art, sich jeder Modellierung zu entziehen, und dieses Duell mit seiner absurden Serie ist das beste Beispiel.
Deshalb liest sich die Prognose auch so, wie sie sich liest: Kasimpasa hat die bessere Ausgangslage, die bessere Form und den Heimvorteil – reicht aber nur für eine Tendenz, nicht für eine Ansage. 1:0 ist der wahrscheinlichste Ausgang, das Remis mit 28 Prozent ein absolut realistisches Szenario, und ein Auswärtserfolg der Gäste liegt exakt gleichauf. Verlässlicher als jede dieser drei Varianten ist die Torgrenze.
Was hier wirklich auf dem Spiel steht
Für Kasimpasa geht es um mehr als drei Punkte. Es geht darum, endlich diesen einen Haken zu setzen, der seit acht Jahren offen ist – und das ausgerechnet in einer Phase, in der die Mannschaft so gut dasteht wie selten. Für Konyaspor geht es darum, den Trabzonspor-Abend nicht als Zufall in die Statistik eingehen zu lassen.
Zwei Teams, ein enges Spiel, wenig Tore und eine Serie, die sich weigert zu sterben. Glaubst du, dass so eine Serie irgendwann einfach reißt – oder dass sie genau deshalb hält, weil alle an sie denken? Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
Die Prognose zu dieser Partie im Detail
Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.