Saison 26/27

Premiership · 20. September 2026

Celtic gegen Rangers: Nach dem 3:0 ist alles anders

Sieben Tage. So lange ist es her, dass Celtic im Ligapokal-Viertelfinale an der Ibrox Road komplett zerlegt wurde. 3:0, ohne dass die Grün-Weißen je wirklich in die Nähe eines Gegentreffers für die andere Seite kamen. Kevin Kelsy legte in der 22. Minute vor, Dan Neil machte mit einem Doppelpack den Deckel drauf. Und vier Tage später verlor Celtic auch noch zu Hause gegen Ferencváros aus Ungarn mit 1:3 in der Europa League. Zwei Klatschen in einer Woche, für einen Klub, der in Schottlands höchster Spielklasse nach sechs Spielen noch keinen einzigen Punkt liegengelassen hat.

Wie passt das zusammen? Gar nicht. Genau das macht diesen Sonntagmittag so interessant.

Die perfekte Bilanz, die niemanden mehr beeindruckt

Celtic führt die Tabelle an, fünf Punkte vor den Rangers, sechs Siege aus sechs Partien. Auf dem Papier ist das eine Machtdemonstration. Nur hat sich in Glasgow herumgesprochen, gegen wen diese Siege zustande kamen — und gegen wen eben nicht. Sobald der Gegner ein bisschen Widerstand leistet, bricht bei den Hoops etwas weg. Das 5:1 gegen LASK, bei dem eine Vier-Tore-Führung verspielt und die Champions League verpasst wurde, war der Auftakt dieser Serie. Das 3:0 im Derby war der Tiefpunkt.

Martin O'Neill, seit Januar wieder auf der Bank und im Sommer amtierender Double-Gewinner, hat zuletzt selbst öffentlich darüber gesprochen, dass er nicht ewig bleiben und Celtic sich irgendwann nach einem Nachfolger umsehen wird. Solche Sätze fallen nicht zufällig. Sie fallen nach Wochen wie dieser.

Trotzdem, und das ist der Punkt, den viele in der Aufregung übersehen: Die Prorakel-Engine hat Celtic weiter vorn. 1786 zu 1720 in der Einstufung, und in den Wahrscheinlichkeiten 47 Prozent für den Gastgeber, 27 Prozent für die Rangers, 26 Prozent Remis. Eine Woche Ärger kippt keine Datenlage, die aus Monaten besteht. Die Konfidenz dieser Tendenz ist mit 47 Prozent als solide eingestuft — belastbar, aber kein Freifahrtschein.

Derek McInnes hat den Nerv getroffen

Bei den Rangers sitzt seit Sommer Derek McInnes, der Danny Röhl abgelöst hat, und sein Team kommt mit ordentlich Rückenwind. Zweiter, 13 Punkte aus sechs Ligaspielen, die beste Form aller Klubs über die letzten fünf Partien. Vor allem aber: Sie haben das Ding im Ligapokal ohne jeden Zweifel gewonnen. Nicht glücklich, nicht mit Ach und Krach — dominant, von der ersten Minute an.

Und das Celtic Park ist längst nicht mehr die Festung, als die sie gern verkauft wird. In zwei ihrer letzten drei Auftritte dort haben die Rangers drei Tore erzielt. Celtics 3:1 im Mai war überhaupt erst der erste Sieg über 90 Minuten gegen den Erzrivalen seit September 2024. Wer also glaubt, hier komme der Tabellenführer und walze den Verfolger weg, hat die letzten zwei Jahre nicht besonders aufmerksam verfolgt.

Der große Haken für McInnes heißt Lawrence Shankland. Der Kapitän und Toptorschütze fällt mit Oberschenkelproblemen aus, dazu fehlen Youssef Chermiti mit Knieproblemen und Daisuke Yokota mit einer Leistenverletzung. Tuur Rommens ist nach langer Pause immerhin zurück im Training. Wer die Tore macht, wenn der Mann fehlt, der sie bisher gemacht hat — das ist die Frage, auf die McInnes eine Antwort haben muss.

Celtic wiederum muss auf Alistair Johnston verzichten, Jota fehlt weiterhin nach seinem Kreuzbandriss, auch wenn er inzwischen wieder Zweikampftraining absolviert. Callum Osmand ist raus, Yang Hyun-jun spielt bei den Asienspielen. Alex Oxlade-Chamberlain ist nach abgesessener Sperre zurück im Kader.

Ein Derby, in dem die Hälfte der Kulisse fehlt

Diese Partie hat ein Detail, das alles verändert und über das erstaunlich wenig geredet wird: Es sind keine Gästefans zugelassen. Der Ligaverband hat nach den Ausschreitungen rund um das Pokalspiel im März entschieden, dass für den Rest der Saison in sämtlichen Old-Firm-Spielen der Liga und des Ligapokals keine Auswärtsanhänger ins Stadion dürfen. Der Celtic Park wird also komplett grün-weiß sein.

Ganz ehrlich: Für die Hausherren ist das ein größeres Geschenk, als es zunächst klingt. Kein Gegenpol im Oberrang, keine gegnerischen Gesänge, die eine kippelige Phase noch lauter machen. Nur hat das an der Ibrox Road letzte Woche unter umgekehrten Vorzeichen auch nicht gereicht, um den Ausgang zu bestimmen — die Rangers haben in genau dieser Kulisse gewonnen, ohne dass ihre Fans dabei die halbe Arbeit erledigen mussten. Spricht nicht gerade dafür, dass McInnes' Mannschaft Atmosphäre braucht.

Beide Klubs sind aus Europa raus, die Rangers scheiterten in der Play-off-Runde der Conference League an Jablonec aus Tschechien. Heißt für beide: Die Liga ist jetzt die ganze Saison. Ein Rangers-Sieg würde den Rückstand vor der Länderspielpause auf zwei Punkte drücken. Eine Celtic-Niederlage würde aus einem Formtief eine echte Krise machen.

Warum die Engine trotzdem bei 2:1 bleibt

Das wahrscheinlichste Ergebnis lautet 2:1 für Celtic, die erwarteten Tore stehen bei 1,7 zu 1,3. Das ist kein Kantersieg, das ist ein Derby, in dem eine Aktion entscheidet — ein Standard, ein Flatterball, ein Fehler im Sechser-Raum. Die stärkste Ansage der Engine ist ohnehin eine andere: Über 1,5 Tore mit 81 Prozent. Die beiden Mannschaften haben in ihren letzten Aufeinandertreffen jedenfalls selten Nullnummern produziert.

Und das Remis? 26 Prozent, 21 Prozentpunkte hinter der Tendenz. Es ist da, es ist möglich, aber es ist nicht die naheliegende Geschichte. Diese Partie riecht nach Toren, nach offenen Räumen, nach zwei Teams, die jeweils einen eigenen Grund haben, ins Risiko zu gehen. Celtic, weil eine dritte Niederlage in Folge gegen diesen Gegner kaum auszuhalten wäre. Die Rangers, weil sie den Beweis antreten wollen, dass das 3:0 kein Zufallsprodukt war.

Meine These: Celtic reagiert. Nicht schön, nicht souverän, aber mit der Wut einer Mannschaft, die eine Woche lang gehört hat, wie schlecht sie sei. O'Neill hat solche Momente in seiner Karriere oft genug gedreht. Zu Hause, vor ausschließlich eigenem Anhang, mit dem Rücken zur Wand — das ist genau die Konstellation, in der alte Trainerfüchse ihre Mannschaften noch einmal zusammenkriegen.

Dass es auch anders laufen kann, sagt die eigene Bilanz: In Schottlands höchster Spielklasse liegt Prorakel bei 47 Prozent getroffener Tendenzen aus 36 ausgewerteten Spielen — über alle Wettbewerbe hinweg sind es 53 Prozent bei 2979 Partien. Schottland ist für die Engine also eher Stolperstrecke als Heimspiel. Was nicht überrascht bei einer Liga, in der zwei Klubs alles unter sich ausmachen und jedes Duell seine eigene Logik hat.

Was glaubst du: Bricht bei Celtic diesmal der Damm — oder hat McInnes das Rezept endgültig gefunden?

Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.

Die Prognose zu dieser Partie im Detail

Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.

‹ Alle Blog-Artikel

Prorakel ist ein Prognose- und Analysedienst und kein Wettanbieter: Wir nehmen keine Einsätze an, vermitteln keine Wetten und zahlen keine Gewinne aus. Prognosen sind Wahrscheinlichkeiten — keine Gewinngarantie und keine Anlageberatung.

Vereins-, Liga- und Wettbewerbsnamen sind Marken bzw. Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber und dienen hier ausschließlich der Identifikation der Teams und Wettbewerbe. Es besteht keine Partnerschaft mit den genannten Vereinen, Ligen oder Verbänden und keine Unterstützung durch sie.