Saison 26/27

3. Liga · 25. September 2026

Havelse gegen Fortuna Köln: Der Freitag, der niemandem gehört

49.000 Plätze. Ein Freitagabend mitten in der Länderspielpause. Und zwei Mannschaften, die in dieser Saison bisher vor allem eines gemeinsam haben: Sie tun sich schwer damit, Spiele zu gewinnen. Havelse gegen Fortuna Köln ist das Nachholspiel des siebten Spieltags, verlegt worden, weil Hannover 96 am Sonntag darauf in derselben Arena den VfL Bochum empfing und zwei Partien binnen zweier Tage im selben Stadion organisatorisch nicht zu stemmen waren. Der Umzug ins kleinere Eilenriedestadion? Vom DFB abgelehnt, weil die Spielstätte die Drittliga-Voraussetzungen bislang nicht erfüllt. Also: große Bühne, kleiner Rahmen.

Und jetzt die Zahl, die dir die ganze Vorfreude relativiert: 43 Prozent. So hoch stuft die Prorakel-Engine die Siegchance der Kölner ein, 30 Prozent gehen an Havelse, 27 Prozent ans Remis. Die Tendenz lautet Sieg Fortuna Köln, die Konfidenz dazu ist OFFEN — und das heißt für dich als Leser: Das hier ist kein Spiel, bei dem man vorher irgendetwas weiß. Die Ergebnis-Prognose lautet 1:2, aber sie ist genau das, was der Name sagt: das wahrscheinlichste unter mehreren Ergebnissen, die alle fast gleich plausibel sind. Ein Unentschieden ist mit seinen 27 Prozent eine völlig reale Möglichkeit, und zwischen Tendenz und Remis liegen ganze 16 Prozentpunkte. In einer Liga, in der die Tabelle nach sechs Spieltagen aussieht wie ein zusammengeschütteltes Puzzle, ist das nicht viel.

Ein Stadion, das drei Nummern zu groß ist

Havelse ist der zuschauerschwächste Klub der 3. Liga und spielt trotzdem in einer WM-Arena. Das klingt wie ein schlechter Witz, ist aber schlicht die Realität eines Vereins aus Garbsen, der gar nicht hier sein wollte: Sportlich waren die Niedersachsen abgestiegen, sie rückten nur nach, weil 1860 München die wirtschaftlichen Auflagen für die Lizenz nicht erfüllte. Ein geschenkter Startplatz, ein geliehenes Stadion, ein Freitagabend ohne Konkurrenz im Fernsehen. Ganz ehrlich: Romantischer kann Drittliga-Alltag kaum sein, und unwirtlicher auch nicht.

Denn in so einer Schüssel entsteht keine Stimmung, die einen Underdog trägt. Wer mit Heimvorteil argumentiert, sollte sich fragen, wie viel Vorteil in 45.000 leeren Schalensitzen steckt. Die Einstufung der Engine sieht Havelse bei 1410, Köln bei 1490 — ein Unterschied, der da ist, aber keiner, der ein Spiel entscheidet. Eher so: die Kölner sind einen halben Schritt weiter, nicht einen ganzen.

Nachspielzeit, Eigentor, nichts mitgenommen

Zuletzt in Duisburg lief es für die Elf von Samir Ferchichi lange richtig gut. Havelse erwischte die Zebras auf dem falschen Fuß, ging durch Nduka in Führung und hatte eine starke erste Halbzeit. Dann kippte alles: die letzte halbe Stunde in Unterzahl, der Ausgleich durch einen Joker, und in der vierten Minute der Nachspielzeit fälschte Dennis Duah eine Hereingabe ins eigene Tor ab. Nach dem Schlusspfiff tröstete ihn der gegnerische Trainer. Das musst du erst mal verarbeiten.

Vier Punkte aus fünf Pflichtspielen, 7:9 Tore — das ist für einen Nachrücker, der eigentlich schon abgestiegen war, kein Drama. Es ist aber auch keine Grundlage, auf der man im Herbst ruhig schläft. Havelse produziert regelmäßig Phasen, in denen das Team besser aussieht als der Gegner, und kassiert dann trotzdem. Genau dieses Muster ist das eigentliche Problem: Es fehlt nicht der Plan, es fehlt die Konsequenz in den letzten zwanzig Metern — auf beiden Seiten des Platzes.

Mink hat aus seinem Aufsteiger etwas Unbequemes gebaut

Bei Fortuna Köln ist die Erzählung eine andere. Matthias Mink hat einen Aufsteiger übernommen, der nach der Regionalliga West erst mal sortieren musste, und die Mannschaft hat sich in der Liga inzwischen eingerichtet. Punkteteilungen gegen Alemannia Aachen und Fortuna Düsseldorf sind keine Zufallsprodukte, sondern Ergebnis einer Elf, die sich nicht auseinandernehmen lässt. Minks Linie ist simpel und ziemlich überzeugend: im Spiel bleiben, dann kommen die Momente von selbst.

Sechs Punkte aus fünf Spielen bei 5:6 Toren — ein Mittelwert-Team, das gegen Große besser aussieht als gegen Gleichwertige. Und da wird es für die Südstädter unangenehm, denn Havelse ist der erste Gegner seit Wochen, bei dem Punkte nicht nur erhofft, sondern eingeplant sind. Zuletzt gab es ausgerechnet ein 0:2 in Überzahl auf einem Acker von Platz. Eine Serie war damit beendet, und das Selbstverständnis hat einen Kratzer.

Personell fehlt weiterhin Jasper Löffelsend, der sich vor dem Saisonauftakt im Abschlusstraining das Kreuzband riss — bitter für einen Neuzugang, der laut Trainer bestens drauf war. Reagiert hat der Klub schnell und Florian Heister nach dessen Vertragsauflösung in Aachen verpflichtet, einen Mann für beide Außenverteidigerpositionen. Ob das eine Verstärkung ist oder nur eine Lücke schließt, wird man auf dem Schienenspieler-Posten genau sehen.

66 Prozent sagen: Nimm dir keine Torhymne vor

Wenn es einen Punkt gibt, bei dem die Engine ungewöhnlich bestimmt wird, dann hier. Die stärkste Ansage lautet: Unter 3,5 Tore, mit 66 Prozent. Erwartet werden 1,3 zu 1,6 Treffer — also ungefähr so viel Offensivspektakel, wie du beim dritten Aufwärmen der Nudeln vom Vortag Geschmack erwartest. Zwei Mannschaften, die vorne sparsam sind und hinten wackeln, ergeben selten ein Sieben-Tore-Fest. Sie ergeben ein Spiel, das an einer Standardsituation hängt, an einem abgefälschten Ball, an einer Szene im Sechser-Raum, die keiner der beiden Trainer je wieder sehen will.

Meine These: Dieses Spiel entscheidet nicht der bessere Fußball, sondern der weniger unruhige Moment. Wer in der 80. Minute noch klar im Kopf ist, nimmt etwas mit. Havelse hat in Duisburg gezeigt, dass es an genau dieser Stelle hakt. Köln hat gegen Aachen und Düsseldorf gezeigt, dass es an genau dieser Stelle stabil sein kann. Daher kommt die leichte Tendenz — mehr aber eben auch nicht.

Was ein 43-Prozent-Favorit wirklich wert ist

Ein bisschen Demut gehört dazu. Prorakel trifft über alle Wettbewerbe hinweg 53 Prozent der Tendenzen bei 3.105 ausgewerteten Spielen — ordentlich. In der 3. Liga sind es 43 Prozent bei 69 Spielen, und das ist ein Wert, der dich nicht ruhiger schlafen lässt. Diese Liga ist ein Chaosgenerator, und sie bleibt es an einem Freitagabend in einer fast leeren Arena erst recht.

Bleibt die Frage, die sich am Ende jeder selbst beantworten muss: Traust du einem Team, das gegen Spitzenteams besteht, auch gegen einen direkten Konkurrenten? Oder traust du dem Team, das zuletzt in Unterzahl fast einen Punkt gerettet hätte und nun endlich mal belohnt werden will? Wenn du deine Prognose in einer Tipprunde abgibst, wirst du dich entscheiden müssen — schön ist diese Entscheidung nicht.

Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.

Die Prognose zu dieser Partie im Detail

Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.

‹ Alle Blog-Artikel

Prorakel ist ein Prognose- und Analysedienst und kein Wettanbieter: Wir nehmen keine Einsätze an, vermitteln keine Wetten und zahlen keine Gewinne aus. Prognosen sind Wahrscheinlichkeiten — keine Gewinngarantie und keine Anlageberatung.

Vereins-, Liga- und Wettbewerbsnamen sind Marken bzw. Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber und dienen hier ausschließlich der Identifikation der Teams und Wettbewerbe. Es besteht keine Partnerschaft mit den genannten Vereinen, Ligen oder Verbänden und keine Unterstützung durch sie.