Saison 26/27

Nations League · 29. September 2026

Spanien gegen Kroatien: Bilićs Neustart trifft auf den Weltmeister

Kroatien hat in Prag gewonnen. Modrić hat getroffen, und Slaven Bilić ist zurück an der Seitenlinie. Das klingt nach Aufbruch. In Wahrheit ist diese Mannschaft gerade in der Lage eines Fahrschülers, der nach einer ordentlichen ersten Stunde direkt auf die Autobahn geschickt wird. Am Dienstagabend steht in Sevilla nämlich der amtierende Weltmeister auf der anderen Seite.

Um die Sache abzukürzen: Die Datenlage ist hier eindeutig. Die Prorakel-Engine gibt Spanien 74 % Siegchance. Auf das Remis entfallen 16 %, auf Kroatien gerade mal 10 %. Die Einstufung ist KLAR, und deshalb spare ich mir die gespielte Vorsicht. Die Ergebnis-Prognose lautet 2:0, die Staerkste Ansage der Engine heißt Sieg Spanien (74 %). Offen ist für mich nur noch, ob die Kroaten Spanien wenigstens ab und zu ins Schwitzen bringen.

Wembley war Chaos und trotzdem eine Machtdemonstration

Falls du das Spiel in London am Samstag verpasst hast, hier die Kurzfassung. Spanien war nach knapp zwei Minuten vorn. Marc Guéhi verlor im Spielaufbau den Ball an Lamine Yamal, und der schob eiskalt ein. Danach kippte das Spiel. Anthony Gordon glich aus, Harry Kane legte das 2:1 für England nach, und kurz nach der Pause hatte Kane per Elfmeter das 3:1 auf dem Fuß. Er rutschte beim Schuss weg und traf die Latte.

Den Rest erledigte Spanien so, wie Spanien das eben macht. Nico O'Reilly spielte einen Rückpass zu kurz, Dani Olmo fing ihn ab, und der eingewechselte Álex Baena zirkelte den Ball zum Ausgleich ins Netz. Später bereitete Baena auch das Siegtor vor: Mikel Oyarzabal lupfte den Ball über James Trafford zum 3:2. Oyarzabal also, der England schon im EM-Finale 2024 den Abend verdorben hatte.

Klar, man kann daraus lesen, dass diese Spanier hinten verwundbar sind, zwei Gegentore sind schließlich zwei Gegentore. Ich lese etwas anderes heraus: Spanien presst dich so lange, bis du einen Fehler machst, und bestraft ihn dann gnadenlos. England hat zwei solche Fehler gemacht, zwei Tore kassiert und verloren. Genau diese Art Gegner ist für Kroatien die schlimmste denkbare.

Die erste Party daheim seit dem WM-Titel

Für Spanien ist das Spiel im Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán das erste Heimspiel seit dem Titel bei der WM im Sommer. Das Stadion wird also kein Ort für Zurückhaltung. Luis de la Fuente hat seinen Kader nach dem Turnier nur behutsam umgebaut. Neu dabei sind Inter-Keeper Josep Martínez und Espanyol-Stürmer Roberto Fernández, der mit einem starken Saisonstart seine erste Nominierung verdient hat. Dean Huijsen und Fermín López sind zurück. Joan García fehlt mit einer Knieverletzung, Marcos Llorente hat seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet.

Wirklich weh tut Spanien davon nichts. Die Tiefe im Kader ist fast schon frech: Baena und Oyarzabal haben sich in Wembley von der Bank aus aufgedrängt, Yamal ist in Topform, Rodri räumt den Sechser-Raum ab. Nach dem Sieg in London hat de la Fuente angekündigt, das Spiel gegen Kroatien so anzugehen, als wäre es das letzte. Die Ansage hat bei einem Trainer Gewicht, dessen Mannschaft im Moment gefühlt einfach nicht verlieren kann.

Modrić läuft immer noch, aber reicht das?

Und die Kroaten? Nach dem WM-Aus in der Runde der letzten 32 gegen Portugal trat Zlatko Dalić zurück, also der erfolgreichste Trainer der Verbandsgeschichte. Der Verband holte Slaven Bilić zurück, der Kroatien schon einmal trainiert hat und danach in der Premier League bei West Ham und West Brom gearbeitet hat. Sein Einstand in Prag war ordentlich. Kurz nach der Pause traf Modrić mit einem seiner typischen Distanzschüsse, Adam Karabec glich für Tschechien schnell aus, und dann köpfte… nein, schoss der eingewechselte Marco Pašalić nach Vorlage von Ivan Perišić das Siegtor.

Ganz ehrlich: Das war ein zäher Arbeitssieg und keine Wiedergeburt. Die erste Halbzeit blieb torlos, und die Tore kamen vor allem von den Routiniers, auf die Kroatien seit Jahren setzt. Modrić ist in einem Alter, in dem andere längst Fußballschuhe verkaufen, und zieht immer noch die Fäden. Das ist großartig. Einen Plan für ein Spiel gegen die beste Pressingmannschaft der Welt ersetzt es aber nicht.

Personell wird es dazu hinten dünn. Josip Juranović und Martin Erlić sind abgereist, auch Martin Baturina fällt aus. Bilić hat Lovro Majer, Marin Pongračić und Kristijan Jakić nachnominiert. Das sind solide Spieler. Wer gegen Yamal und Co. in einer umgebauten Abwehr bestehen muss, braucht allerdings mehr als solide.

Kroatiens beste Waffe dürfte das Umschaltspiel sein. Wenn sie den Ball erobern und ihn sofort hinter die aufgerückten spanischen Außenverteidiger spielen, kann es ein, zwei Mal gefährlich werden. Das Problem dabei: Dafür musst du den Ball erst mal haben. Und gegen Spanien hast du ihn eher selten.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Schau dir die erwarteten Tore an: 2,7 zu 0,6. Das Spiel, das die Engine erwartet, läuft praktisch nur in eine Richtung, mit viel Ballbesitz für Spanien und wenigen Kontern für Kroatien. Auch die Einstufung passt dazu: Spanien steht bei 1905, Kroatien bei 1726. Diesen Abstand erklärst du nicht mit Tagesform oder einem guten Bilić-Einstand weg.

Die Tore-Einschätzung ist fast noch klarer: Über 1,5 Tore (85 %). Ein 0:0 oder ein knappes 1:0 wäre also eine echte Überraschung. Und wer an ein kroatisches Wunder glaubt, darf sich an den 10 % festhalten. Die sind nicht null, aber sehr weit weg von einem Münzwurf.

Zur Nations League, falls du sie bisher als lästige Unterbrechung der Bundesliga abgetan hast: Seit 2018 ersetzt sie die meisten öden Testspiele durch Pflichtspiele in Ligen mit Auf- und Abstieg. Spanien hat den Wettbewerb 2023 gewonnen und stand zuletzt wieder im Finale. Für die Engine ist das ein recht dankbarer Wettbewerb: 67 % der Tendenzen hat sie hier getroffen, allerdings bei nur 42 Spielen. Über alle Wettbewerbe gerechnet sind es 53 %. Solide, aber eben keine Garantie.

Warum ich das 2:0 unterschreibe

Das letzte Pflichtspiel der beiden bei der EM 2024 endete 3:0 für Spanien, mit Toren von Morata, Fabián Ruiz und Carvajal. Seitdem ist Spanien Weltmeister geworden, und Kroatien hat seinen Trainer verloren. Die Schere ist also eher weiter aufgegangen.

Meine These, und da darfst du gern widersprechen: Kroatien wird an diesem Abend nicht an Modrić scheitern, sondern an seiner Abwehr. Gegen Tschechien reichte eine abwartende Haltung plus Qualität der Oldies. Gegen ein Spanien, das jeden Fehlpass im Aufbau sofort frisst, reicht das nicht. England hat es vorgemacht, und England hatte am Samstag mehr Tempo und mehr Wucht als diese Kroaten.

Das 2:0 der Engine halte ich deshalb für die realistischste Variante: Spanien kontrolliert das Spiel, trifft zweimal und lässt Kroatien kaum zu Chancen kommen. Mehr Tore sind drin, wenn Bilićs Team nach einem Rückstand aufmachen muss. Ein Punkt für Kroatien hätte schon fast etwas von einer Heldensage.

Wer in seiner Tipprunde auf Nummer sicher gehen will, landet bei Spanien. Wer glaubt, Modrić könnte es in Sevilla noch einmal allen zeigen, hat immerhin die schönere Geschichte auf seiner Seite. Wiegt eine schöne Geschichte gegen den Weltmeister auf eigenem Rasen genug?

Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.

Die Prognose zu dieser Partie im Detail

Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.

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