Nations League · 1. Oktober 2026
Dänemark gegen Portugal: Lazarett gegen Luxuskader im Parken
Brian Riemer hat diese Woche etwas zugegeben, was Nationaltrainer sonst nur unter vier Augen sagen. Portugal hat für fast jede Position zwei Weltstars, sein Dänemark dagegen viele Spieler, die noch lernen. Das ist kein Understatement, mit dem er Druck abbauen will. Riemer beschreibt einfach ehrlich, wie es um seinen Kader steht. Genau darum geht es am Donnerstagabend in Kopenhagen.
Die Prorakel-Engine sieht das ähnlich nüchtern: Portugal 47 %, Remis 27 %, Dänemark 26 %. Die Einstufung lautet SOLIDE. Die Richtung ist also klar, eine ausgemachte Sache ist das Spiel aber nicht. Als wahrscheinlichstes Ergebnis kommt ein 1:2 heraus. Du hast es also mit einem Favoriten zu tun, der auswärts antritt, aber trotzdem Favorit bleibt. Ganz ehrlich: Bei diesem Personalstand in Dänemark überrascht mich das kein bisschen.
Absagen im Stundentakt
Fangen wir beim Gastgeber an, denn dort brennt es. Andreas Christensen ist verletzt, Alexander Bah ebenfalls, Kasper Dolberg hat sich im Training das Knie verletzt, Albert Grønbæk hat es in Norwegen erwischt. Nach dem Sieg gegen Wales musste auch noch Patrick Dorgu mit einer Muskelverletzung abreisen. Als wäre das nicht genug, wurde Linksverteidiger Victor Bak krank nach Hause geschickt. Christian Eriksen steht ohne Verein da und ist gar nicht erst nominiert.
Riemer musste mehrfach nachnominieren, und manche dieser Namen hättest du im Herbst 2026 nicht auf der Liste für ein Spiel gegen den Titelverteidiger erwartet. Wenn ein Trainer selbst von einer untypischen Lage spricht und sagt, man müsse vieles neu anfangen, ist das keine Ausrede. Er sagt, wie es ist.
Dazu kommt das Programm: vier Nations-League-Spiele in einer einzigen Länderspielpause. Portugal kann rotieren, Dänemark muss immer wieder dieselben Leute bringen. Gustav Isaksen ist das beste Beispiel. Der Flügelspieler von Lazio Rom kommt gerade aus einer Verletzungspause und sollte gegen Wales eigentlich nur eine Stunde spielen. Er blieb länger auf dem Platz, traf und meldete sich danach fit für Portugal. Riemer hat trotzdem klargestellt, dass weder Isaksen noch Mohamed Daramy zwei volle Spiele hintereinander packen. Auf der rechten Seite müssen sich die beiden die Spielzeit also teilen.
Eine kleine Seifenoper gibt es auch noch. Nach der Niederlage in Oslo hat Pierre-Emile Højbjerg das Zusammenspiel mit Morten Hjulmand im Sechser-Raum ziemlich offen hinterfragt. Seitdem beschäftigt das die dänischen Medien. Rasmus Højlund hatte irgendwann so wenig Lust auf das Thema, dass er ein Fernsehinterview einfach abbrach. Kann man verstehen. Vor einem Spiel gegen Portugal brauchst du aber ein Doppel im Zentrum, das sich blind versteht, und keine offene Frage.
Jesus, Ronaldo und der Präsident im Flieger
Bei Portugal gibt es eigentlich nur ein Gesprächsthema, und das sitzt auf der Bank. Jorge Jesus ist neu im Amt und hat seine Zeit als Nationaltrainer mit zwei Siegen begonnen: zuerst gegen Wales, dann in Norwegen. Cristiano Ronaldo saß in Oslo die ganzen neunzig Minuten draußen. Danach soll es zwischen Trainer und Kapitän geknirscht haben, und zwar so sehr, dass Verbandspräsident Pedro Proença eilig nach Dänemark flog. Nach einem weiteren Gespräch soll die Sache bereinigt sein.
Jesus erklärt es so: Mit Ronaldo sei abgesprochen gewesen, dass er weder in Norwegen noch in Dänemark spielt. Dahinter stecke Belastungssteuerung, kein Machtkampf. Im Sturm beginnt deshalb Gonçalo Ramos, das hat Jesus selbst angekündigt. Ramos hat das Siegtor in Oslo erzielt.
Jetzt kommt der Teil, der mich wirklich überzeugt. In Oslo fehlten auch Ronaldo und Bruno Fernandes, Vitinha kam erst nach der Pause. Portugal hat dieses Spiel trotzdem gewonnen. Gut gespielt hat die Mannschaft dabei nicht, sie hat den Sieg eher über die Zeit gebracht. Norwegen machte Druck, Portugal hielt dagegen, klärte, verteidigte und war vorne eiskalt. João Félix schloss eine Hereingabe von Pedro Neto von der Strafraumgrenze flach ins Eck ab. Den Siegtreffer hat Norwegens Keeper Ørjan Nyland mit seinem Fehler quasi verschenkt. Mit Glück hatte das auch zu tun, klar. Eine Mannschaft, die so ein Spiel trotz geschonter Stars gewinnt, hat aber eben mehr als einen guten Kader. Sie hat eine Bank, gegen die Riemer im Moment nur neidisch sein kann.
Nach dem lahmen Aus gegen Spanien im WM-Achtelfinale wirkt Portugal unter Jesus wie eine Mannschaft, die etwas beweisen will.
Parken kann mehr als nur Stimmung
Abschreiben würde ich die Dänen trotzdem nicht, und dafür gibt es einen konkreten Grund. Im März 2025 trafen beide Teams im Viertelfinale der Nations League aufeinander. Im Hinspiel in Kopenhagen gewann Dänemark durch ein spätes Tor von Højlund. Portugals damaliger Trainer Roberto Martínez nannte das hinterher die schwächste Leistung seiner Mannschaft seit sehr langer Zeit. Das Rückspiel in Lissabon gewann Portugal dann so deutlich, dass von dem dänischen Vorsprung nichts mehr übrig blieb. Daraus lernst du zweierlei: Für einen Abend kann Dänemark Portugal im Parken wehtun. Über eine längere Strecke setzt sich die Klasse aber meistens durch.
Den Willen sieht man der Mannschaft auch an. In Oslo lagen die Dänen früh mit zwei Toren hinten, kämpften sich durch Mikkel Damsgaard und Højlund zurück und verloren erst durch einen späten Treffer von Erling Haaland. Gegen Wales hatten sie das Spiel im Griff, auch wenn der Führungstreffer ein Eigentor von Ben Davies war. Dahinter steckt außerdem ein Team, das die WM verpasst hat, nach einer Elfmeter-Niederlage gegen Tschechien im Playoff-Finale. Diese Wunde ist nicht verheilt, und die Leute im Parken haben sie auch nicht vergessen.
Der Haken ist hinten. Wer Nummer eins im Tor ist, bleibt offen, Riemer legt sich zwischen Filip Jørgensen und Mads Hermansen nicht fest. Jørgensen hat in dieser Länderspielpause schon dreimal hinter sich greifen müssen. Gegen ein Portugal, das sich schon über halbe Chancen freut, ist das ein Thema.
Was die Datenlage hergibt
Die erwarteten Tore der Engine liegen bei 1,1 zu 1,8. Das passt zu dem, was ich oben beschrieben habe: Dänemark kommt zu seinen Chancen, Portugal bekommt mehr davon und hat die Leute, die sie verwerten. Für ein Torfestival spricht wenig. Unter 3,5 Tore liegt bei 67 %, das klingt eher nach einem kontrollierten Abend als nach Spektakel.
Die Staerkste Ansage der Engine lautet Remis o. Portugal (74 %). Das ist die Aussage, auf die ich mich an diesem Abend am ehesten festlegen würde. Für einen dänischen Sieg muss nämlich ziemlich viel zusammenkommen: ein Isaksen, der länger durchhält als geplant, ein Zentrum, das mit einer Stimme spricht, und ein Portugal, das wie im März 2025 einen schwachen Tag erwischt. Möglich ist das, wahrscheinlich nicht. Das Remis würde ich bei 27 % übrigens nicht als Nebensache abtun. Das ist immerhin mehr als jedes vierte Spiel.
Wenn du die Partie in deine Tipprunde einträgst, darfst du auch auf die Bilanz schauen. In der Nations League hat die Prorakel-Engine 67 % ihrer Tendenzen getroffen (n=52), über alle Wettbewerbe sind es 53 % (n=3202). In diesem Wettbewerb lag sie also bisher häufiger richtig als im Schnitt. Eine Garantie ist das trotzdem nicht.
Die Frage nach dem Kader
Meine These ist simpel: Dieses Spiel entscheidet kein Ronaldo, kein Taktikkniff und nicht die Stimmung im Parken. Es entscheidet die Breite des Kaders. Portugal kann es sich leisten, seinen Kapitän und seinen Spielmacher draußen zu lassen, und gewinnt trotzdem in Oslo. Dänemark muss angeschlagene Flügelspieler einteilen und hofft, dass die Mittelfeldzentrale sich verträgt. Ein 1:2 als wahrscheinlichstes Ergebnis passt genau dazu. Die Dänen dürfen mitspielen und sogar treffen, am Ende hat Portugal aber mehr in der Hinterhand.
Oder sieht der Parken an diesem Donnerstag doch wieder einen Abend wie im März 2025, an dem die großen Namen plötzlich ganz klein wirken?
Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
Die Prognose zu dieser Partie im Detail
Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.