Saison 26/27

Nations League · 2. Oktober 2026

Frankreich gegen Italien: Ein 4:1 in Bursa macht noch keinen Frühling

Italien hat in Bursa vier Tore geschossen, und schon redet halb Italien von der Auferstehung der Azzurri. Mancini postet Videos von seinen Passstafetten, die Tifosi träumen, und die Zeitungen stellen Listen mit jungen Hoffnungsträgern zusammen. Ganz ehrlich: Ich gönne es ihnen. Nur kommt diese Euphorie genau zum falschen Zeitpunkt. Am Freitagabend um 20:45 Uhr wartet im Stade de France eine französische Mannschaft, die noch kein Gegentor kassiert hat. Ihr Trainer feiert dort seine Heimpremiere und hat sicherlich keine Lust, sich die Party verderben zu lassen.

Die Prorakel-Engine sieht das genauso nüchtern wie ich. 66 % für Frankreich, 20 % Remis, 14 % für Italien. Die Einstufung lautet KLAR, und der Abstand der Tendenz zum Remis beträgt 47 Prozentpunkte. Da gibt es nichts zu deuteln. Frankreich ist der Favorit, und zwar deutlich.

Zweimal 1:0 und trotzdem kein Zweifel

Fangen wir bei den Gastgebern an. Seit Ende Juli ist Zinédine Zidane Nationaltrainer und damit der Nachfolger von Didier Deschamps. Schon bei seiner Vorstellung hat er angekündigt, vieles anders zu machen. Seine erste Nominierung hat das bestätigt: Mit Estéban Lepaul und Lucas Da Cunha waren neue Gesichter dabei, N'Golo Kanté dagegen nicht mehr.

Zum Auftakt in Gruppe A1 hat Frankreich jetzt zweimal 1:0 gewonnen. In der Türkei traf Kylian Mbappé, in Brüssel sorgte Michael Olise mit einem späten Schuss für den Sieg gegen Belgien. Spektakel sieht anders aus, klar. Aber zwei Auswärtsspiele in dieser Gruppe ohne Gegentor zu überstehen, ist für mich kein Zufall. Da hat ein Trainer seiner Mannschaft in wenigen Wochen beigebracht, erst mal die Bude dicht zu halten.

Wer Zidane aus Madrid kennt, weiß, dass er nie der Taktik-Professor mit dem Laserpointer war. Er war der Typ, der eine Kabine mit Stars so führt, dass am Ende jeder für jeden läuft. Genau das scheint bei Les Bleus gerade zu funktionieren.

Ohne Mbappé? Naja.

Jetzt kommt der Einwand, den du wahrscheinlich schon auf der Zunge hast: Für das Italien-Spiel fehlen einige Leute. Mbappé, Saliba, Tchouaméni und Konaté stehen auf der Ausfallliste. Bei fast jeder anderen Nation wäre das ein halber Weltuntergang: der Kapitän, zwei Innenverteidiger und der Stammsechser.

In Frankreich ist es eher ein Luxusproblem. Wenn Olise, Dembélé und Doué als Alternativen für die Offensive bereitstehen, ist das ungefähr so, als würde dir der Ferrari kaputtgehen und du müsstest notgedrungen mit dem Porsche fahren. Olise hat in Brüssel gerade gezeigt, dass er Spiele allein entscheiden kann. Dembélé lebt von seinen Eins-gegen-eins-Duellen, und genau da liegt Italiens Problem.

Hinten wird es spannender. Ohne Saliba und Konaté muss sich die Innenverteidigung neu sortieren, und Upamecano muss den Laden zusammenhalten. Das ist der einzige Bereich, in dem ich bei Frankreich ein kleines Fragezeichen setzen würde. Ein kleines.

Bursa war schön. Bursa war nicht Saint-Denis.

Bei Italien lohnt sich zuerst ein Blick zurück. Diesen Sommer hat die Squadra Azzurra die WM verpasst. Frankreich ist dort Vierter geworden. Allein dieser Unterschied sagt eigentlich schon alles über die Ausgangslage. Danach hat der Verband Roberto Mancini zurückgeholt, den Europameister-Trainer von 2021.

Sein Comeback ging gründlich daneben. In Rom gab es ein ideenloses 0:2 gegen Belgien, unter anderem weil ein Fehlpass im Spielaufbau abgefangen wurde und die Belgier eiskalt konterten. Die Fans pfiffen, und Mancini sagte, das sei ihr gutes Recht.

Drei Tage später kam das 4:1 in der Türkei, und da war vieles wirklich gut. Mancini setzte Stammkräfte wie Nicolò Barella und Gianluca Mancini auf die Bank und brachte frische Leute. Bastoni traf nach einer Ecke, Frattesi staubte nach einer Parade ab, und Debütant Michael Kayode erzielte das 3:0. Der Rechtsverteidiger vom FC Brentford spielte so viel Tempo über die Außenbahn, wie man es in Italien seit der EM 2021 kaum noch gesehen hat. Den Schlusspunkt setzte Pio Esposito, das Sturmtalent von Inter, per Kopf.

Klingt nach Neuanfang, oder? Jetzt kommt das Aber. Selbst gegen die Türkei wirkte die Viererkette um Bastoni wacklig. Bastoni und sein Inter-Kollege Dimarco fühlen sich in einer Dreierkette ohnehin wohler. Dimarco fehlt außerdem, genau wie Buongiorno, Cambiaso und Locatelli. Mancini baut also mit dem, was übrig bleibt. Wenn sich Olise und Dembélé auf den Flügeln warmlaufen, ist eine umgebaute Abwehr, die schon in Bursa gewackelt hat, ungefähr das Letzte, was man sich wünscht.

Fairerweise muss man sagen: Italien kann Paris. Im September 2024 lag Frankreich im Parc des Princes nach Barcolas frühem Tor vorn, und am Ende gewannen die Italiener trotzdem 3:1. Das Rückspiel in Mailand im November holte sich Frankreich dann mit dem gleichen Ergebnis, mit zwei Toren von Rabiot. Der Ausrutscher von damals ist also kein Muster, sondern eine Erinnerung daran, dass diese 14 % nicht null sind.

Warum ein 2:0 die richtige Größe ist

Jetzt zu meiner These, und die geht über ein „Frankreich ist besser" hinaus. Zidanes Team hat bisher zweimal knapp gewonnen. Das wirkt wie zähe Arbeit, und genau deshalb unterschätzen viele, was da gerade wächst. Die Prorakel-Engine erwartet am Freitag eine andere Geschichte: 2,5 zu 0,9 erwartete Tore. Das ist kein knappes Ding mehr. Das beschreibt eine Mannschaft, die sich Chance um Chance erspielt, während der Gegner froh sein darf, mal vor das Tor zu kommen.

Die Ergebnis-Prognose lautet 2:0. Das passt zu beiden Seiten des Bildes. Frankreich spielt endlich auch mal einen zweiten Treffer heraus, hinten bleibt die Null stehen, und Italiens neue Offensive mit den Esposito-Brüdern bekommt gegen eine eingespielte Defensive wenig Luft. Über 1,5 Tore hält die Engine mit 85 % für sehr wahrscheinlich. Ein weiteres 1:0 wäre aus dieser Sicht schon fast eine Enttäuschung.

Die Staerkste Ansage der Engine bleibt trotzdem das Naheliegende: Sieg Frankreich (66 %). Wer in seiner Tipprunde mutig sein will, kann sich ans 2:0 halten. Wer es lieber solide mag, bleibt bei der Tendenz. In der Nations League hat die Prorakel-Engine bisher 63 % der Tendenzen getroffen (n=60). Das ist ordentlich, aber kein Freifahrtschein.

Mancinis Hoffnung gegen Zidanes Heimpremiere

Bleibt die Gefühlsebene, und die spricht diesmal auch für Frankreich. Zidane steht zum ersten Mal als Nationaltrainer im Stade de France, vor einem Publikum, das ihn seit 1998 verehrt. Mancini muss dagegen beweisen, dass Bursa der Anfang von etwas war und kein Strohfeuer bei Regen. Ein Fan hat es in den sozialen Netzwerken sinngemäß so formuliert: Verlieren in Frankreich wäre okay, solange Italien so spielt wie in der Türkei. Klingt sympathisch, ist aber auch eine ziemlich ehrliche Erwartung.

Die 20 % fürs Remis würde ich nicht wegwischen. Italien hat Barella, Tonali und Frattesi im Mittelfeld, also Spieler, die einen Sechser-Raum zulaufen und ein Spiel kaputtmachen können. Ein zähes 0:0 oder 1:1 ist denkbar, vor allem, wenn sich die neue französische Innenverteidigung erst finden muss. Denkbar heißt aber nicht wahrscheinlich.

Mein Bild ist klar. Italien ist auf dem Weg zurück, aber noch lange nicht angekommen. Frankreich ist auch ohne Mbappé eine Klasse besser und hat zu Hause einen Trainer, der genau weiß, wie man so einen Abend ruhig über die Bühne bringt. Oder glaubst du wirklich, dass eine umgebaute Viererkette, die schon in Bursa gewackelt hat, Olise und Dembélé neunzig Minuten lang im Griff behält?

Und trotzdem: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.

Die Prognose zu dieser Partie im Detail

Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.

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