Nations League · 6. Oktober 2026
Kroatien gegen Spanien: Nach dem 0:7 kommt der Weltmeister nach Split
Sieben Gegentore. Zu Hause. Gegen England. Am Samstag hat Kroatien in Rijeka ein Kapitel Verbandsgeschichte geschrieben, das man am liebsten überblättern würde: 0:7, die höchste Niederlage, seit es die „Vatreni“ gibt. Und was kommt drei Tage später als Trostpreis? Der amtierende Weltmeister. Im Poljud, vor vollem Haus, mit einem Trainer, der schon jetzt unter Druck steht.
Hier meine These, und ich halte sie für gut zu verteidigen: Kroatien spielt am Dienstag deutlich besser als gegen England – und verliert trotzdem. Die Prorakel-Engine sieht das genauso, nur ohne Pathos: 78 % für Spanien, 14 % Remis, magere 8 % für die Gastgeber. Die Einstufung lautet SEHR KLAR. Hier wird also nicht vorsichtig herumgeeiert. Die Ergebnis-Prognose ist ein 0:2. Ein Debakel wird das nicht, aber ein Auswärtssieg mit Ansage.
Ein Sommer, der alles umgekrempelt hat
Damit du verstehst, wie tief der Fall gerade ist: Vor ein paar Monaten war Kroatien noch das Team, das bei jedem Turnier irgendwie bis tief in die K.-o.-Runde kam. Bei der WM war dann im Sechzehntelfinale gegen Portugal Schluss, Zlatko Dalić trat zurück. Seinen Platz übernahm ein alter Bekannter: Slaven Bilić, früher Bundesliga-Profi und schon von 2006 bis 2012 Nationaltrainer. Eine Rückkehr mit Nostalgie-Bonus, eigentlich.
Nur ist der Bonus nach vier Pflichtspielen aufgebraucht. Gegen Tschechien gab's zum Auftakt noch ein 2:1, danach kamen das 1:4 in Sevilla und eben dieses 0:7. Bilić hat sich nach Rijeka beim ganzen Land entschuldigt. In der kroatischen Presse wird schon offen darüber spekuliert, ob er hinwirft, falls gegen Spanien kein Sieg herausspringt. Gegen den Weltmeister. Ganz ehrlich: Das ist ungefähr so, als würdest du deinen Job davon abhängig machen, beim Kneipenquiz gegen einen Uni-Professor zu gewinnen.
Dazu kommt, dass Bilić in diesen Wochen viel durchgewechselt hat. Teilweise wirkte das wie ein Casting für die nächste EM. Ante Budimir, Routinier im Sturm, saß zuletzt sogar nur auf der Tribüne. Experimente sind legitim, keine Frage. Aber wenn die Hintermannschaft jede Woche anders aussieht, wundert sich am Ende keiner, dass niemand weiß, wer wen übernimmt.
Sevilla war die Blaupause
Das Hinspiel liegt gerade mal eine Woche zurück, und es hat eigentlich alles verraten, was du über diese Paarung wissen musst. Lamine Yamal traf nach zwei Minuten. Kroatien kam zurück, und zwar richtig schön: Ivan Perišić flankte, Dion Beljo köpfte in der 28. Minute zum 1:1. Für einen Moment roch das nach einem offenen Spiel.
Drei Minuten später stand es wieder 2:1, diesmal köpfte Marc Pubill. Danach zeigte Spanien, warum es gerade die beste Mannschaft der Welt ist. Luis de la Fuente brachte nach knapp einer Stunde Pedri und Mikel Merino. Kurz danach ließ sich Pedri zwischen die Linien fallen und bediente Yamal, der zum 3:1 traf. Nico Williams machte kurz vor Schluss den vierten.
Das ist der eigentliche Albtraum für jeden Gegner: Spanien wird nach der Pause nicht müde, sondern eher noch gefährlicher. Die Bank ist so gut besetzt, dass andere Nationen mit ihr eine Startelf aufstellen würden.
Der Weltmeister verliert Spieler und merkt es kaum
Im Juli hat Spanien Argentinien im WM-Finale mit 1:0 nach Verlängerung geschlagen. Der eingewechselte Ferran Torres traf in der 106. Minute, und damit hatte die Mannschaft nach der EM auch den WM-Titel. Eine Titel-Delle ist seitdem nicht zu sehen. In der Nations League gab es ein 3:2 in Wembley gegen England, dann das 4:1 gegen Kroatien und ein 3:1 gegen Tschechien, das allerdings nur noch zu zehnt spielte. Drei Spiele, drei Siege, Platz eins in der Gruppe.
Personell ist die Lage nicht ganz sorgenfrei. Nico Williams hat nach dem Hinspiel Probleme im linken Oberschenkel bekommen und ist abgereist. Nachnominiert wurde niemand. Vorher hatten schon Alejandro Grimaldo und Eric García das Camp verletzt verlassen. In Spanien wird außerdem diskutiert, ob der 19-jährige Yamal von Beginn an spielt oder erst später kommt.
Verunsichert das Spanien? Naja. Wer Olmo, Pedri, Merino und Baena im Kader hat, kann einen Ausfall auf dem Flügel verkraften. Kroatien kann sich so etwas nicht leisten. Die Einstufung zeigt den Abstand deutlich: 1976 für Spanien, 1646 für Kroatien. Das ist kein Duell auf Augenhöhe mehr, auch wenn der Name Kroatien immer noch nach Turnier-Halbfinale klingt.
Modrić, Elche und die Sache mit dem Trotz
Jetzt der Teil, der Kroatien-Fans Hoffnung macht. Luka Modrić ist mittlerweile 41 und immer noch Kapitän. Vor dem Spiel hat er versprochen, dass die Fans ein komplett anderes Kroatien sehen werden. Bessern müsse sich vor allem der Zusammenhalt in den Zweikämpfen, und gegen Spanien dürfe man keine Räume anbieten. Er hat auch an 2018 erinnert. Damals verlor Kroatien kurz nach dem WM-Finale mit 0:6 gegen Spanien in Elche und schlug denselben Gegner zwei Monate später in Zagreb mit 3:2.
Ein schönes Argument, und ich nehme es Modrić sogar ab. Der Poljud wird brennen, Split ist kein Ort für halbe Sachen. Ich rechne mit einer Mannschaft, die beißt, früh draufgeht und jeden Ball in den Sechser-Raum verfolgt, als hinge die Zukunft daran. Zumindest für Bilić tut sie das ja auch.
Nur: 2018 hatte Kroatien eine Generation auf ihrem Höhepunkt. Diese Mannschaft steckt gerade mitten im Umbruch. Und Wut allein reicht gegen Spanien nicht. Wer gegen diese Spanier ins Gegenpressing geht, muss die Bälle auch wirklich erobern. Sonst rennst du 90 Minuten Pedri und Zubimendi hinterher, und die freuen sich über jeden Meter, den du ihnen hinter der ersten Pressinglinie lässt.
Warum 0:2 und nicht wieder ein Schützenfest
Die Engine erwartet 0,7 zu 2,8 Tore. Sie traut Spanien also mehr zu als zwei Buden. Über 1,5 Tore liegt bei 86 %. Dass die Ergebnis-Prognose trotzdem bei 0:2 landet, ist kein Widerspruch. Es ist einfach das wahrscheinlichste Einzelergebnis in einem Spiel, in dem Spanien klar vorne liegt.
Und es passt zu meinem Bauchgefühl. Kroatien wird nach dem 0:7 tiefer stehen, enger verteidigen und auf Konter hoffen. Spanien muss kein Spektakel liefern, um die Gruppe zu kontrollieren. Zwei Tore, viel Ballbesitz, Pause durchziehen und ab in den Flieger. Weltmeister-Effizienz eben, wie im Finale gegen Argentinien. Das war auch kein Feuerwerk, sondern Kontrolle.
Die Staerkste Ansage der Engine lautet: Sieg Spanien (78 %). In der Nations League hat die Prorakel-Engine bisher 63 % ihrer Tendenzen getroffen (n=94), über alle Wettbewerbe sind es 53 %. Das Remis mit 14 % ist mehr als nur ein Rundungsfehler, aber für die Datenlage eher ein Außenseiter. Für einen kroatischen Sieg müsste schon fast alles zusammenpassen: ein frühes Tor, ein Poljud im Ausnahmezustand und ein Modrić, der noch einmal den Abend seines Lebens hat.
Wenn du in deiner Tipprunde trotzdem Kroatien einträgst, setzt du auf Herz statt Kopf. Kann man machen. Aber glaubst du wirklich, dass eine Mannschaft, die vor drei Tagen sieben Stück gefangen hat, den besten Gegner der Welt in einem Spiel komplett umdreht?
Und trotzdem: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
Die Prognose zu dieser Partie im Detail
Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.