Saison 26/27

Europa League · 15. Oktober 2026

Hoffenheim gegen Besiktas: Vorletzter, aber nicht Außenseiter?

Vorletzter in der Bundesliga, drei Pleiten am Stück, ein Trainer, über den in Sinsheim gerade lauter diskutiert wird als über die Aufstellung – und ausgerechnet diese TSG soll gegen Besiktas vorne liegen? Die Prorakel-Engine sieht das so. Und zwar gegen jeden Augenschein: Die Istanbuler sind deutlich höher eingestuft (1690 zu 1531), haben zum Auftakt der Europa League Marseille mit 4:1 abgefertigt und vier ihrer letzten fünf Pflichtspiele gewonnen. Trotzdem stehen da 42 Prozent für Hoffenheim und nur 34 für die Gäste.

Bevor du das jetzt fett in deine Tipprunde einträgst: Das ist keine Ansage, das ist ein Fingerzeig. 42 Prozent sind ein Münzwurf mit leichtem Drall. Die Ergebnis-Prognose lautet 2:1 – aber eben als wahrscheinlichstes Ergebnis in einem Feld, in dem mehrere Ausgänge fast gleichauf liegen. Das Remis ist mit 25 Prozent alles andere als Folklore. Wer sich nur eine Zahl merken will, nimmt die Stärkste Ansage: TSG Hoffenheim o. Remis (66 %). Übersetzt: Verlieren sollte die TSG diesmal eher nicht. Mehr gibt die Datenlage ehrlicherweise nicht her.

Gut gespielt, nichts geholt

Drei Punkte aus den letzten fünf Pflichtspielen, 7:12 Tore. Für einen Klub, der vergangene Saison Fünfter wurde und die Champions League nur um einen Punkt verpasst hat, ist das ein Absturz mit Ansage. In der Liga steht Hoffenheim auf Platz 17, nur Gladbach ist noch schlechter dran. Der einzige Ligasieg datiert vom 2:1 gegen Stuttgart Mitte September.

Und trotzdem lohnt der zweite Blick. Beim 0:2 auf Kreta – gegen OFI, einen Klub aus der griechischen ersten Liga, den in Deutschland vorher kaum jemand auf dem Zettel hatte – war die TSG über weite Strecken die bessere Mannschaft. Mehr Ball, mehr Abschlüsse, kein Tor. Dafür ein blitzsauberer Konter und ein spätes zweites Gegentor. Am Samstag gegen den HSV dasselbe Drehbuch in anderer Kulisse: Hoffenheim führt 2:1, Bernardo fliegt mit Gelb-Rot, in der Nachspielzeit trifft Miro Muheim zum 2:3. Nicht abgezockt genug, sagen die einen. Kopfsache, sagen die anderen.

Ich sage: Das ist keine Mannschaft, die nicht Fußball spielen kann. Das ist eine Mannschaft, die sich gerade selbst im Weg steht. Ein Unterschied, der an so einem Europapokalabend mehr wiegt als jede Tabelle. Die Klubführung hält übrigens an Christian Ilzer fest – Rückendeckung, die man natürlich auch nur so lange gibt, bis man sie nicht mehr gibt.

Der Mann, der nicht im Flieger sitzt

Jetzt zum eigentlichen Knackpunkt. Dušan Vlahović fehlt. Der Serbe, früher bei Juventus und inzwischen der Star in Schwarz-Weiß, hat sich einen Magen-Darm-Infekt eingefangen, das letzte Training verpasst und steht nicht im Kader. Bitter für Besiktas, denn am Sonntag hat er beim 2:1 gegen Kocaelispor noch per Elfmeter den Siegtreffer erzielt.

Als wäre das nicht genug, bleibt auch Václav Černý mit Oberschenkelproblemen zu Hause. Ausgerechnet Černý, der beim 4:1 gegen Marseille die erneute Führung erzielte. Milot Rashica ist ebenfalls verletzt. Das ist nicht irgendein Rotationsverlust – da brechen der Mittelstürmer und ein Flügel weg, die den Laden vorne zusammenhalten.

Klar, Vincenzo Italiano hat immer noch genug Qualität im Gepäck: Orkun Kökçü, der gegen Marseille zwei Tore vorbereitete, Leandro Trossard, İlhan Fakılı, Ernest Poku. Ilzer hat selbst gewarnt, dass Besiktas nicht an Vlahović allein hängt, sondern als Kollektiv funktioniert. Stimmt bestimmt. Aber wenn dir zwei von denen fehlen, die zuletzt die Buden gemacht haben, dann fühlt sich jede Angriffsreihe ein bisschen an wie ein Auto mit Ersatzreifen. Fährt schon. Nur nicht ganz so schnell.

Heimspiel mit Auswärtsgefühl

Kleiner Haken für die TSG: Ein echtes Heimspiel wird das nicht. Besiktas hat in Deutschland eine riesige Anhängerschaft, Ilzer spricht selbst von einer Art Auswärtsspiel im eigenen Stadion. Wer mal einen türkischen Traditionsklub auf deutschem Boden erlebt hat, weiß, dass das keine Übertreibung ist.

Mittendrin steht einer, für den dieser Abend besonders ist: Ozan Kabak. Der türkische Nationalspieler ist in der Türkei geboren, hat in Istanbul gelebt und kennt Besiktas bestens. Er glaubt an drei Punkte. Hinten wird er gebraucht wie selten, denn Albian Hajdari fällt aus, genau wie Patrick Wimmer, der wochenlang fehlt. Die Strafraumbeherrschung der Innenverteidigung dürfte darüber entscheiden, ob die Hoffenheimer Gegentor-Serie endlich reißt.

Lass sie doch den Ball haben

Jetzt meine These, und die darfst du gern für zu steil halten: Dieses Spiel kommt Hoffenheim taktisch gelegen. Ilzer erwartet, dass Besiktas den Ballbesitz sucht – darin sind die Istanbuler stark. Gut so. Die TSG hat diese Saison oft genug bewiesen, dass sie mit dem Ball am Fuß gegen tiefstehende Gegner verhungert, siehe Kreta. Gegen einen Gegner, der selbst aufmacht, wird Platz frei. Umschaltmomente, Räume hinter den Außenverteidigern, Gegenpressing im Sechser-Raum – das ist eher Hoffenheims Spiel als das geduldige Anrennen.

Die Prorakel-Engine geht in dieselbe Richtung, zumindest was die Torgefahr betrifft. Erwartete Tore: 1,7 zu 1,5. Ein Abend für Defensivpuristen wird das nicht – über 1,5 Tore liegen bei 83 Prozent. Beide Abwehrreihen haben zuletzt mehr gewackelt, als ihren Trainern lieb ist, und genau daraus speist sich das 2:1. Es könnte aber genauso gut 1:1 oder 2:2 werden. Naja, oder 1:2. So ist das bei einer offenen Partie.

Warum ich der Maschine hier nicht widerspreche

Die Einstufung lebt von der Vergangenheit, die Formkurve von den letzten Wochen. Beides spricht für Besiktas, keine Frage: 12 Punkte und 13:6 Tore aus den letzten fünf Spielen sind eine Hausnummer, Platz zwei in der türkischen Süper Lig auch. Aber keiner dieser Werte weiß, dass Vlahović und Černý am Donnerstag nicht auf dem Platz stehen. Und keiner weiß, dass Hoffenheim zuletzt öfter gut gespielt als gut gepunktet hat.

Die Engine liegt in der Europa League übrigens bei 53 Prozent getroffenen Tendenzen. Also: öfter richtig als falsch, aber weit weg von unfehlbar. Bei einem Spiel, das schon in der Grundeinordnung als offen gilt, wäre jede Großspurigkeit fehl am Platz.

Was bleibt, ist eine Frage, die Hoffenheim nur selbst beantworten kann: Ist dieser Absturz eine Phase, oder ist das schon der neue Normalzustand? Ein Europapokalabend gegen einen geschwächten Favoriten ist die beste Gelegenheit, das herauszufinden. Oder die schlechteste, wenn es wieder schiefgeht.

Und trotzdem: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.

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Die Prognose zu dieser Partie im Detail

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