Bundesliga · 17. Oktober 2026
Hamburger SV gegen VfB Stuttgart: Ohne Remberg gegen die Königsklasse
Manche Siege kosten mehr, als sie bringen. Das 3:2 in Hoffenheim war so einer. Miro Muheim trifft in letzter Sekunde, der HSV feiert den zweiten Sieg in Folge. Am Tag danach kommt die Diagnose: Kapitän Nicolai Remberg hat einen Kreuzbandriss und fällt monatelang aus. Ausgerechnet jetzt, wo es endlich lief, kommt am Samstag um 15:30 Uhr der VfB Stuttgart in den Volkspark. Die Schwaben haben in der Champions League zwei von zwei Spielen gewonnen.
Meine These: Der wichtigste Mann in diesem Spiel steht gar nicht auf dem Platz. Ohne Remberg fehlt den Hamburgern genau das, was gegen Stuttgart am meisten zählt: jemand, der den Sechser-Raum zumacht. Die Prorakel-Engine sieht die Sache ähnlich nüchtern. 55 Prozent für den VfB, 23 Prozent Remis, 22 Prozent für den HSV. Die Einstufung lautet SOLIDE. Ein Selbstläufer ist das also nicht, aber die Richtung ist klar. Die Ergebnis-Prognose: 1:2.
Zwei Siege reparieren keine Abwehr
Die Hamburger Saison hat bisher zwei Kapitel. Im ersten ging es nach Dortmund und Leipzig, dann kam eine Heimpleite mit 0:5 gegen Mainz. Wer da im Stadion saß, wird das so schnell nicht vergessen. Im zweiten Kapitel folgten ein 2:1 gegen Köln und das Spektakel von Sinsheim. Die Formkurve sieht jetzt plötzlich freundlich aus: zwei Siege aus den letzten fünf, sechs Punkte.
Schau dir aber mal das Torverhältnis an: 5:15. Fünfzehn Gegentore in fünf Pflichtspielen. Mit einer Hintermannschaft, die so viele Löcher hat, kannst du im Volkspark noch so viel Stimmung machen. Irgendwann rutscht der Ball halt durch. Und jetzt fehlt auch noch der Spieler, den Merlin Polzin selbst als Verkörperung des „neuen HSV“ bezeichnet hat.
Remberg war seit seinem Wechsel aus Kiel sofort Stammspieler auf der Sechs und ist in dieser Saison Kapitän geworden. Bis zu seiner Auswechslung in Hoffenheim hatte er jedes Pflichtspiel komplett durchgespielt. Polzin weiß, dass man ihn nicht eins zu eins ersetzen kann, und kündigt an, dass sich das Hamburger Spiel deshalb verändern wird. Wer es von Beginn an macht, hat er offengelassen. Positionstreue, Zweikampfhärte und Nachrücken im Pressing waren Rembergs Stärken. Genau das brauchst du gegen eine Mannschaft, die aus Ballverlusten im Zentrum Kapital schlägt.
Ein Lazarett mit Hoffnungsschimmer
Vorne wird es auch dünn. Patson Daka hat sich bei der Nationalmannschaft einen Muskelfaserriss zugezogen und ist noch im Aufbautraining. Für Stuttgart ist es zu früh. Bakery Jatta steht ebenfalls auf der Ausfallliste. Ein Lichtblick ist Albert Grønbæk. Polzin klang nach dessen Faserriss zuversichtlich, und der Däne ist wettbewerbsübergreifend der beste Scorer im Kader.
Dann ist da noch ein Name auf der Liste, der eher eine Geschichte erzählt, als eine Lücke zu reißen: Mario Vušković. Seine Dopingsperre endet am 15. November, nach vier Jahren. Für genau diesen Tag hat der HSV ein Testspiel gegen Hajduk Split vereinbart, den Heimatverein des Kroaten. Das ist eine schöne Geste. Für Samstag nützt sie aber nichts.
Elfter in der Liga, makellos in Europa
Und Stuttgart? Der VfB hat gerade zwei Gesichter. In der Liga stehen sechs Punkte und Platz elf. Das ist für Sebastian Hoeneß, inzwischen der dienstälteste Trainer der Bundesliga, der schwächste Stand zu diesem Zeitpunkt seiner gut dreijährigen Amtszeit. Wenn du dir die Gegner ansiehst, relativiert sich das schnell. Die Niederlagen gab es gegen Bayern (1:5), Hoffenheim (1:2) und Dortmund (0:1). Wer in den ersten Wochen dieses Programm hat, darf ein bisschen stolpern.
In der Champions League sieht das ganz anders aus. Zwei Spiele, zwei Siege, zuletzt ein souveränes 3:0 bei Slovan Bratislava. Kapitän Deniz Undav hat dort seine Torflaute beendet, und Ermedin Demirović hat spät per Kopf nachgelegt. Davor gab es ein 2:0 in Paderborn. Die letzten fünf Pflichtspiele bringen neun Punkte und 9:4 Tore. Das ist das Gegenmodell zu den Hamburger 5:15.
Bei der Stärke trennen die beiden Teams Welten: 1630 zu 1460. So ein Abstand ist kein Zufall. Er zeigt, dass der VfB über Jahre konstant geliefert hat, während der HSV gerade wieder lernt, in der Bundesliga zu überleben.
Stuttgart hat allerdings auch seine Sorgen. Maximilian Mittelstädt hat sich in Paderborn eine Schnittwunde an der Ferse zugezogen, die genäht werden musste, und fällt vorerst aus. Er hatte bis dahin jedes Pflichtspiel der Saison bestritten. Ameen Al-Dakhil fällt mal wieder aus, diesmal am Knie. Jeremy Diehl hat Probleme am Oberschenkel, und Nikolas Nartey fehlt seit seiner Verletzung im Pokal in Rostock. Die linke Abwehrseite ohne Mittelstädt ist der Punkt, an dem ich als Polzin ansetzen würde.
Ein Faktor spricht noch für Hamburg: die Zeit. Der VfB hat am Mittwoch in Bratislava gespielt und hat bis Samstag kaum mehr als zwei Tage zum Regenerieren. Müde Beine in einem Stadion, das brennt, haben schon größere Favoriten erwischt. Kleiner Bonus am Rande: Mit Josha Vagnoman und Demirović kommen zwei ehemalige HSVer zurück an alter Wirkungsstätte.
Der Novembernachmittag zählt nicht
Klar, jeder HSV-Fan denkt jetzt an November 2025. Der HSV war in Unterzahl, dann kam das Solo von Fabio Baldé über den halben Platz, und Fabio Vieira traf in der vierten Minute der Nachspielzeit zum 2:1. Der Volkspark ist explodiert. Der Klub selbst beschwört diesen Nachmittag vor dem Spiel ganz bewusst.
Ganz ehrlich: Das Rückspiel in Stuttgart gehört genauso zur Wahrheit. 0:4. Polzin hat selbst gesagt, dass man da gesehen hat, was der VfB anrichtet, wenn du ihm zu viel Raum lässt. Und ohne Remberg vor der Abwehr wird es tendenziell mehr Raum geben, nicht weniger. Erinnerungen schießen keine Tore. Verteidigen können sie auch nicht.
Warum hier keine Null steht
Ein müdes 0:0 erwarte ich hier nicht. Die Prorakel-Engine sieht mit 66 Prozent mehr als 2,5 Tore. Bei den erwarteten Toren steht es 1,3 zu 2,1. Genau dieses Bild habe ich auch im Kopf. Der HSV wird seine Momente haben, weil das Stadion ihn nach vorne treibt und Stuttgart ohne Mittelstädt links verwundbar ist. Am Ende hat der VfB aber die bessere Restverteidigung und mehr Qualität im letzten Drittel. Und gegen eine Abwehr, die schon fünfzehnmal hinter sich greifen musste, reicht das.
Deshalb ist das 1:2 für mich keine mutige Prognose, sondern eine logische. Wenn du in deiner Tipprunde auf Nummer sicher gehen willst, nimm die Stärkste Ansage der Engine: Remis o. VfB Stuttgart (78 %). Unterm Strich heißt das: Die Datenlage traut dem HSV eher einen Punkt zu als den ganzen Coup.
Ein bisschen Demut gehört dazu. In der Bundesliga hat die Prorakel-Engine bisher 57 Prozent ihrer Tendenzen getroffen (n=46). Das ist ordentlich, aber weit weg von unfehlbar. 22 Prozent für den HSV sind nicht nichts. Ungefähr jedes fünfte Spiel dieser Art geht an den Außenseiter, und der Volkspark hat schon öfter bewiesen, dass er solche Spiele drehen kann.
Die Frage ist am Ende ganz einfach: Reicht Hamburger Herz gegen müde, aber bessere Beine? Ich glaube nicht. Ich lasse mich aber gern vom nächsten Baldé-Solo widerlegen.
Und trotzdem: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
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Die Prognose zu dieser Partie im Detail
Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.