Saison 26/27

Champions League · 20. Oktober 2026

PSG gegen Barcelona: Fünf aus fünf, aber wer verteidigt bei Barça?

Fünf Pflichtspiele, fünf Siege. Paris Saint-Germain kommt mit richtig breiter Brust in diesen Dienstagabend. Blöd nur, dass der Gast genau dieselbe Serie mitbringt. Der Titelverteidiger empfängt den spanischen Meister, und beide haben in der Ligaphase noch keinen Punkt abgegeben. Paris steht oben, Barça direkt dahinter. Es geht also um den ersten Platz. Spieltag 3 hat selten so nach K.-o.-Runde gerochen.

Bevor du dich jetzt auf eine Seite schlägst, ganz ehrlich: Die Datenlage gibt keinen klaren Sieger her. Die Prorakel-Engine sieht Paris bei 40 Prozent und Barcelona bei 37. Für das Remis bleiben 23 Prozent, und das ist alles andere als ein Restposten. Das 2:1 für PSG ist das wahrscheinlichste Einzelergebnis, aber eben nur eins von mehreren, die fast gleichauf liegen. Wir stufen das Spiel als OFFEN ein, und das meinen wir ernst. Bei der Stärke liegt Barça sogar einen Hauch vorn, 1882 zu 1878. Dass die Engine trotzdem leicht zu Paris neigt, liegt am Prinzenpark im Rücken. Die Stärkste Ansage lautet deshalb: Paris Saint-Germain o. Remis (63 %).

Meine These geht etwas weiter: Dieses Spiel wird nicht im Mittelfeld entschieden. Es wird hinten verloren, und zwar auf beiden Seiten.

Ein Comeback, das teuer war

Fangen wir beim letzten Auftritt der Pariser an, denn der erzählt die halbe Geschichte. In Straßburg lag PSG zur Pause hinten. Luis Enrique hatte zunächst rotiert und holte dann die schweren Geschütze von der Bank: Vitinha, Doué und Nuno Mendes kamen nach etwa einer Stunde, kurz darauf Dembélé und Hakimi. Es funktionierte. Zabarnyi stand nach einer Dembélé-Flanke frei am langen Pfosten und glich aus. Danach traf der Ballon-d'Or-Sieger selbst, und Doué machte in der Nachspielzeit den Deckel drauf.

Klingt nach einem perfekten Nachmittag, oder? Naja. Mendes musste kurz vor Schluss verletzt runter, und weil das Wechselkontingent erschöpft war, spielte Paris die letzten Minuten zu zehnt. Am nächsten Tag kam die Diagnose: Oberschenkel. Für Barça ist er raus. Auf der Ausfallliste stehen außerdem Longoni und Mayulu.

Wer Mendes nur als Linksverteidiger abhakt, unterschätzt das Problem. Er ist bei PSG die ganze linke Bahn. Er läuft an, hinterläuft, macht das Spiel breit und ist trotzdem rechtzeitig wieder hinten. Und jetzt rate mal, wer bei Barcelona genau auf dieser Seite wohnt. Lamine Yamal. Luis Enrique muss also seine Abwehr umbauen, und das ausgerechnet gegen den Spieler, den gerade halb Europa nicht in den Griff bekommt. Das wird kein ruhiger Abend für den Ersatzmann.

Cubarsí und dann lange nichts

Hat Paris eine Baustelle, hat Barcelona eine Großbaustelle. Beim Sieg in Sevilla gegen Betis holten sich gleich zwei Verteidiger etwas. Eric García fällt mit einer Oberschenkelverletzung mehrere Wochen aus. Jules Koundé hat sich den linken Knöchel verstaucht und fehlt in Paris sicher. Andreas Christensen war schon vorher verletzt, Roony Bardghji fehlt ebenfalls. Gerard Martín wurde gegen Betis zur Pause vorsichtshalber ausgewechselt. Er soll zwar spielen können, aber eine Garantie ist das nicht.

Pau Cubarsí ist damit der einzige Fixpunkt in einer Kette, die Hansi Flick fast neu erfinden muss. Rechts hinten haben García und Koundé bisher die meisten Minuten gesammelt. Jetzt kommen eigentlich nur noch Neuzugang João Cancelo oder der 19-jährige Xavi Espart infrage. Espart ist gelernter Rechtsverteidiger, spielt aber die ganze Saison schon links.

Und genau da wird es für Barça unangenehm. Auf dieser Seite wartet Kvaratskhelia, der Eins-gegen-eins-Duelle liebt. Dazu kommt Dembélé, der jede Lücke hinter einer hoch stehenden Abwehrlinie riecht. Flick lässt traditionell sehr hoch verteidigen, das ist sein Markenzeichen. Mit einer eingespielten Viererkette ist das mutig. Mit einer zusammengewürfelten ist es ein Hochseilakt ohne Netz. Ich behaupte: Wenn Paris dieses Spiel holt, dann über Steilpässe in den Rücken der Barça-Abwehr. Nicht über Ballbesitz.

22 Tore und der Clásico im Hinterkopf

Jetzt aber nicht den Fehler machen, Barcelona als wackligen Gast abzustempeln. In den letzten fünf Pflichtspielen hat Barça 22 Tore geschossen und 6 kassiert. Paris kommt im selben Zeitraum auf 13:5, das ist stark. Aber 22 Tore sind ein anderes Kaliber. In der Liga haben die Katalanen gerade den besten Saisonstart der LaLiga-Geschichte eingestellt. In der Champions League haben sie Galatasaray auswärts locker abgefertigt. Paris hat zwar Manchester City geschlagen, Barça kommt aber mit noch mehr Wucht in die Partie.

Gegen Betis traf Yamal früh mit einem Traumtor, und Raphinha meldete sich nach seiner kurzen Verletzungspause zurück. Ein Detail sagt viel über Barças Woche: Flick nahm Yamal vom Platz, damit er sich keine Gelbe Karte holt, die ihn für den Clásico am Sonntag sperren könnte. Ein Trainer, der im Ligaspiel schon an Real Madrid denkt, hat einen Terminkalender, um den ihn keiner beneidet. Paris am Dienstag, Real am Sonntag, und dazwischen eine Abwehr, die halb im Behandlungsraum liegt.

Wie siehst du das: Ist das ein Nachteil für Barça? Oder macht genau dieser Druck die Mannschaft noch schärfer? Ich tendiere zum Nachteil. Nicht, weil Flick das Spiel abschenken würde. Sondern weil jeder Zweikampf mit einem kleinen Fragezeichen im Kopf geführt wird.

Warum du keine Nullnummer erwarten solltest

Wenn es eine Sache gibt, bei der sich die Engine ziemlich festlegt, dann sind es die Tore. Über 2,5 Tore liegen bei 74 Prozent. Bei den erwarteten Toren steht es 2,0 zu 1,9. Das ist kein taktisches Abtasten unter Flutlicht, das sieht nach Schlagabtausch aus. Logisch eigentlich: Beide Teams vermissen hinten wichtige Leute. Vorne stehen bei beiden Spieler, die aus einem halben Meter Platz eine Bude machen.

Im Zentrum treffen Vitinha und João Neves auf Pedri und Rodri. Das ist das Duell für Feinschmecker, das am Ende wahrscheinlich keiner mehr erwähnt, weil an den Flanken zu viel los war. Michael Oliver pfeift, und der lässt erfahrungsgemäß gern mal laufen. Gut für alle, die ein offenes Spiel sehen wollen. Schlecht für alle, die ihre Abwehrsorgen mit taktischen Fouls kaschieren wollen.

Die Pariser wissen außerdem, wie man gegen diesen Gegner gewinnt. Beim letzten Duell in der Ligaphase der Vorsaison siegten sie in Barcelona. Das ist allerdings ein Jahr her, und Flicks Mannschaft ist seitdem nicht schwächer geworden.

Wer zuerst blinzelt

Unterm Strich sehe ich ein kleines Plus für Paris. Das liegt nicht an der Form, die ist bei beiden makellos. Es liegt an zwei Dingen: Heimspiel und Barças Abwehrkrise. Die Lücke von Mendes ist schmerzhaft, aber das Loch bei Barça rechts hinten ist größer. Die Prorakel-Engine hat in der Champions League bisher 60 Prozent ihrer Tendenzen getroffen (n=98). Das ist ordentlich, aber bei einem Abstand von 3 Prozentpunkten zwischen den beiden Siegchancen hat das nicht viel zu sagen. Wer in seiner Tipprunde ein 2:1 für PSG einträgt, liegt bei der wahrscheinlichsten Einzelvariante. Ein Unentschieden hat allerdings ebenfalls gute Argumente.

Am Ende könnte die Frage ganz simpel sein. Wer hält den Laden hinten länger dicht: Luis Enriques Notlösung links gegen Yamal oder Flicks Notlösung rechts gegen Kvaratskhelia und Dembélé?

Und trotzdem: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.

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