Saison 26/27

Europa League · 22. Oktober 2026

OFI Kreta gegen Bayer Leverkusen: Fünf Siege gegen drei Pleiten

Nachtrag zum Anpfiff (Stand 22.10.2026, 16:00 UTC): Nach Redaktionsschluss hat sich die Datenlage gedreht — Stärkste Ansage „OFI Kreta o. Bayer Leverkusen“ → „Über 1,5 Tore“. Der Text unten bleibt, wie er geschrieben wurde; die aktuelle Prognose steht auf der Spielkarte.

Fünf Pflichtspiele, fünf Siege, 14:4 Tore. Bayer Leverkusen fliegt nicht einfach nach Kreta. Die Werkself hat einen Rückenwind, wie du ihn sonst nur auf der Fähre bei Windstärke sechs erlebst. Und der Gastgeber? Hat aus den letzten fünf Spielen vier Punkte geholt und zuletzt dreimal hintereinander verloren.

Die Prorakel-Engine macht daraus keine Geheimwissenschaft: 75 Prozent für Leverkusen, 16 Prozent Remis, 9 Prozent für OFI. Einstufung: sehr klar. Wer auf die große Sensation am Mittelmeer hofft, muss sich schon an etwas klammern. Das gibt es allerdings, denn vor fünf Wochen ist im selben Stadion schon ein Bundesligist baden gegangen.

Schick trifft, und trifft, und trifft

Fangen wir mit dem Mann an, über den gerade halb Fußball-Deutschland redet. Patrik Schick hat an jedem der ersten sechs Bundesliga-Spieltage getroffen. Das hat vor ihm noch kein Leverkusener geschafft, auch nicht Berbatov oder Kießling, die beide bei fünf Spielen in Serie stehen geblieben sind. Den Rekordtreffer hat er am Sonntag gegen Freiburg erzielt. Leverkusen lag gegen den bis dahin ungeschlagenen Spitzenreiter früh hinten. Dann glich Ibrahim Maza nach Schicks Vorarbeit aus, und in der 76. Minute schob Schick nach Mazas Rückpass selbst zum 2:1 ein. Freiburg war danach nicht mehr Tabellenführer.

Und genau das ist der Punkt. Diese Mannschaft gewinnt gerade auch die Spiele, in denen es mal klemmt. In der Europa League klemmt bisher übrigens gar nichts: 2:0 gegen Celje, 4:0 in Posen, sechs Punkte, kein Gegentor. In Polen hat Carles Martínez sechs Positionen getauscht und trotzdem locker gewonnen. Wenn du wissen willst, wie tief ein Kader wirklich ist, schau dir genau solche Abende an.

Das Bollwerk, an dem Hoffenheim zerschellte

Jetzt kommt der Einwand, den jeder Kreta-Romantiker sofort parat hat: Hoffenheim. Zum Auftakt der Ligaphase verlor die TSG im Pankritio-Stadion 0:2. Hoffenheim hatte mehr vom Ball, OFI verteidigte mit allen Mann am eigenen Strafraum. Nach einer halben Stunde schloss Aitor einen Konter ab, und kurz vor Schluss köpfte der eingewechselte Georgios Kanellopoulos eine Ecke rein. Underdog-Fußball wie aus dem Lehrbuch. Christian Ilzer lobte hinterher, mit wie viel Leidenschaft die Griechen gemeinsam verteidigen.

Wer ist dieser Klub überhaupt? OFI kommt aus Heraklion, der größten Stadt der Insel, und ist amtierender griechischer Pokalsieger: Im Finale gab es ein 3:2 nach Verlängerung gegen PAOK. Zum ersten Mal seit 2000/01 spielt OFI wieder in diesem Wettbewerb, der damals noch UEFA-Cup hieß. Christos Kontis trainiert die Mannschaft seit Oktober 2025. Neben dem Pokal hat er auch den Supercup geholt, und er lässt meistens im 3-4-2-1 spielen: Dreierkette, zwei Schienenspieler, hinten dicht. Zu Hause ist OFI in dieser Saison noch ungeschlagen, mit fünf Siegen und einem Remis.

Klingt gefährlich? War es auch. Vor fünf Wochen.

Aus der Festung ist eine Baustelle geworden

Seit dem Sieg gegen Hoffenheim hat OFI nämlich nicht mehr gewonnen. In Griechenlands erster Liga gab es ein 0:3 bei AEK Athen. Alle drei Gegentore fielen nach Ecken, und Aitor flog mit Gelb-Rot vom Platz. Zu Hause gegen Asteras Tripolis reichte es nur zu einem 2:2. In Rennes brachte Taxiarchis Fountas OFI früh in Führung, dann drehten zwei späte Gegentore das Spiel. Und am Sonntag kam das Chaos beim Aufsteiger Kalamata: 1:3 hinten, auf 3:3 rangekämpft, und in der vierten Minute der Nachspielzeit doch noch das 3:4 kassiert.

Diese Mannschaft hat in ihren ersten neun Pflichtspielen nur zwei Gegentore zugelassen. In den letzten fünf steht sie bei 8:11. Ganz ehrlich: Das ist kein Bollwerk mehr. Das ist eine Baustelle mit Bauzaun. Kontis schiebt die Gegentore auf individuelle Fehler und fehlende Konzentration, am System will er nichts ändern. Er gibt aber auch zu, dass die Verletzungen in der Abwehr seine Elf aus dem Tritt gebracht haben. Besonders bitter: Die Standards waren gegen Hoffenheim noch die Waffe, in Athen wurden sie zur Achillesferse.

Die Personallage hilft auch nicht gerade. Sielis fehlt mit Oberschenkelproblemen, Marinakis und Leya Iseka fallen mit Leistenbeschwerden aus, Chatzigiovanis ist ebenfalls nicht dabei. Nikos Christogeorgos musste in Kalamata nach einem Zusammenprall ins Krankenhaus und steht nicht zur Verfügung. Immerhin gibt es einen Lichtblick: Fountas ist wieder fit und gehört zum Kader. Ob er von Anfang an spielt, ist aber offen.

Das Lazarett der Werkself – und warum es kaum zählt

Ganz ohne Sorgen reist Leverkusen aber auch nicht an. Martin Terrier hat sich in Posen eine Muskelverletzung im hinteren Oberschenkel zugezogen und fällt bis in den Dezember aus. Doué, Ben Seghir und Kofane fehlen mit Muskelverletzungen, Boniface und Eichhorn stehen gar nicht erst im Europa-League-Kader. Vorne wird es also dünner.

Die Antwort des Klubs hat Charme. Für Terrier rückt Jonas Hofmann nach, 34 Jahre alt und in der Bundesliga bisher nur dreimal kurz eingewechselt. Boniface hatte auch auf die Nachnominierung gehofft und schaut weiter zu. Wenn in deinem Kader aber ein Ex-Nationalspieler die Notlösung ist, jammerst du auf ziemlich hohem Niveau.

Ein Detail am Rande hat noch etwas Ironisches: Am Sonntag wartet in der Bundesliga ausgerechnet Hoffenheim. Martínez dürfte also wieder rotieren. Nach Posen ist das allerdings eher eine Drohung als ein Trost für OFI.

Ein Sieger, so oder so

Die Ergebnis-Prognose der Prorakel-Engine lautet 0:2. Das passt zu den erwarteten Toren von 0,8 zu 2,6 und zu den 86 Prozent für über 1,5 Tore. Am spannendsten ist aber die Stärkste Ansage: OFI Kreta o. Bayer Leverkusen (84 %), als Anker eingestuft. Übersetzt heißt das: Die Engine hält ein Unentschieden für so unwahrscheinlich, dass sie fest mit einem Sieger rechnet. Und bei 75 zu 9 ist ziemlich klar, wer das sein soll.

Ich gehe da voll mit, und zwar wegen eines Gedankens, der gegen die Hoffenheim-Nostalgie spricht. OFIs Plan funktioniert nur, wenn hinten alles sitzt: kompakte Fünferkette, keine Fehler, vorne eiskalt kontern. Genau dieses Fundament bröckelt seit einem Monat. Leverkusen hat bisher in jedem Bundesligaspiel durch Schick getroffen und in der Europa League noch kein Gegentor kassiert. Eine Mannschaft, die nach Ecken wackelt und in der Nachspielzeit Gegentore frisst, ist für so einen Gegner kein Bollwerk. Sie ist eine Einladung.

Klar, Kontis hat recht, wenn er sagt, dass sein Team nichts zu verlieren hat. Das Pankritio wird voll, auch wenn Leverkusen gut 3.700 Tickets für die eigenen Fans geholt hat. Ein frühes Tor für OFI, dann hängt sich die Mannschaft rein wie gegen Hoffenheim, und plötzlich sieht alles anders aus. Theoretisch. Praktisch ist Leverkusen nicht Hoffenheim, und dieses OFI ist nicht mehr das OFI vom September.

Die Frage ist also nicht, ob Leverkusen hier der Favorit ist. Sie lautet: Hält Kretas Abwehr lange genug, damit das Spiel überhaupt spannend wird? Die Prorakel-Engine liegt in der Europa League bisher in 57 Prozent der Fälle richtig. Das ist ordentlich, aber keine Garantie. Und Hoffenheim weiß seit September, wie sich die anderen 43 Prozent anfühlen.

Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.

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Die Prognose zu dieser Partie im Detail

Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.

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