Bundesliga · 24. Oktober 2026
Dortmund gegen Frankfurt: Kovac droht eine Premiere, die keiner will
Niko Kovac hat gerade erst bis 2029 verlängert – und steht trotzdem am Samstagabend vor einer Premiere, auf die er liebend gern verzichten würde. Gewinnt Borussia Dortmund auch gegen Eintracht Frankfurt nicht, wären es drei Bundesligaspiele am Stück ohne Sieg. Das hat es unter ihm beim BVB noch nicht gegeben. Erst das Remis gegen Bremen, dann die Nullnummer bei Union Berlin. Für einen Klub, der punktgleich mit den Bayern ganz oben steht, klingt das nach Luxusproblem. Ganz ehrlich? Ein bisschen ist es das auch.
Die Prorakel-Engine jedenfalls lässt sich von der kleinen Delle nicht aus der Ruhe bringen. 65 % für Dortmund, 19 % für ein Remis, magere 16 % für die Eintracht – Einstufung: KLAR. Zwischen BVB-Sieg und Unentschieden liegen 47 Prozentpunkte, da gibt es nichts herumzudeuteln. Das wahrscheinlichste Ergebnis lautet 2:1. Meine These dazu: Dortmund gewinnt dieses Topspiel, aber nicht so, wie es in den letzten Wochen gespielt hat. Es wird lauter, offener, und es wird hinten mal klingeln.
Ein Bollwerk mit Ladehemmung
Fangen wir beim BVB an, denn da steckt der eigentliche Widerspruch. Diese Mannschaft verteidigt richtig gut. Kein Team der Liga hat bisher weniger Gegentore kassiert, gegen Union stand hinten wieder die Null. Das Problem liegt am anderen Ende des Platzes. 5:4 Tore aus den letzten fünf Pflichtspielen – für einen Kader mit dieser Offensivqualität ist das schlicht zu wenig. In Berlin lief Dortmund 90 Minuten gegen eine Wand und fand keine Lücke.
Kovac und Sportdirektor Ole Book haben das deutlich angesprochen: Vor dem Tor soll ihre Mannschaft endlich kaltschnäuziger werden. Klingt nach Trainer-Standardsatz, ist aber ziemlich genau die Diagnose.
Dass es auch anders geht, hat Serhou Guirassy unter der Woche in der Champions League gezeigt. Beim 2:1 in Baku gegen Sabah, Aserbaidschans Vertreter in der Königsklasse, traf er doppelt, das Siegtor nach der Pause per Volley. Nach der Pleite bei Bodø/Glimt war das genau die Antwort, die der BVB brauchte. Ein Sieg gegen Sabah ist natürlich kein Beweis für irgendwas. Aber ein Stürmer, der zweimal trifft, fährt mit einem anderen Gefühl in den Signal Iduna Park als einer, der zweimal am Pfosten verzweifelt.
Frankfurts Abwehr: mal Beton, mal Durchgangszimmer
Und dann kommt ausgerechnet die Eintracht. Wenn du dir deren Formkurve ansiehst, bekommst du ein ziemlich wildes Bild: Sieg, Niederlage, Remis, Sieg, Niederlage. Sieben Punkte, okay. Aber 7:13 Tore aus fünf Spielen – das ist kein Wackeln mehr, das ist ein Tag der offenen Tür.
Der Tiefpunkt war die Packung in Leipzig, nach der in Frankfurt kurz die Alarmglocken schrillten. Die Reaktion folgte im nächsten Ligaspiel gegen Köln: ein zäher, aber verdienter 1:0-Heimsieg, der erste der Saison. Younes Ebnoutalib traf spät, Joker Noël Aséko hatte vorbereitet. Vorstandschef Axel Hellmann fasste die Frankfurter Gemütslage danach ziemlich treffend zusammen: Man sei einen Schritt weiter, aber nicht schlauer. Gegen Leipzig schlecht verteidigt, gegen Köln stark – welche Eintracht kommt also nach Dortmund?
Drumherum ist ohnehin viel in Bewegung. Adi Hütter ist zurück am Main und beerbt Albert Riera, der nur wenige Monate durchhielt. Sportvorstand Markus Krösche ist inzwischen verabschiedet, und das fühlt sich nach Zeitenwende an. Ein Klub im Umbau, mitten in der Saison. Das muss nicht schaden. Stabil ist aber auch was anderes.
Hütter und der letzte Coup
Eine Geschichte hat dieses Spiel trotzdem, die man nicht unterschlagen sollte. Frankfurts letzter Bundesligasieg in Dortmund stammt aus dem April 2021. Der Trainer damals? Adi Hütter. Seitdem ist die Reise ins Westfalenstadion für die Hessen ungefähr so erfreulich wie eine Steuerprüfung – sie sind seitdem jedes Mal ohne Sieg heimgefahren.
Kapitän Robin Koch weiß das. Für ihn ist die Partie eines der schwersten Auswärtsspiele der Saison, und trotzdem freut er sich drauf. Gegen Köln war er mit seiner Zweikampfwucht der Fels in der Innenverteidigung, am Samstag wartet mit Guirassy ein ganz anderes Kaliber. Koch gegen Guirassy, das ist das Duell, auf das du achten solltest. Gewinnt Koch es, hat die Eintracht eine Chance. Verliert er es, wird es ein langer Abend.
Wer fehlt, wer wackelt
Beim BVB ist die Liste länger. Emre Can und Neuzugang Giannis Konstantelias fallen mit Kreuzbandverletzungen lange aus, Konstantelias hatte es schon beim Saisonauftakt gegen den HSV erwischt. Bitter ist vor allem der Fall Konstantinos Karetsas: Der Sommerneuzugang aus Genk verletzte sich bei Union nur Minuten nach seiner Einwechslung am Sprunggelenk – eine Bänderverletzung. Er fehlt auch gegen Frankfurt. Book sah übrigens schon vor der Szene eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters – hilft jetzt aber auch keinem mehr. Justin Lerma plagt sich mit muskulären Problemen herum.
Frankfurt kommt fast komplett. Jessic Ngankam fehlt mit Oberschenkelproblemen, dazu fehlt M. Pimpong. Ein Auge solltest du auf Raphael Onyedika haben: Der Sechser ist nur noch eine Gelbe Karte von einer Sperre entfernt. Gegen ein Dortmund, das zwischen den Linien Lücken sucht, ist das kein kleines Detail. Ein taktisches Foul zu viel, und er fehlt nächste Woche.
Warum hier keine Nullnummer droht
Jetzt zum Wert, der mir am besten gefällt. Die Stärkste Ansage der Engine lautet nicht etwa „Dortmund gewinnt", sondern: Über 2,5 Tore (70 %). Auf den ersten Blick wirkt das schräg. Dortmund mit der sattelfesten Abwehr, Dortmund mit der Ladehemmung – wo sollen da drei Tore herkommen?
Die Antwort steckt in den erwarteten Toren: 2,3 zu 1,1. Der BVB-Wert hat wenig mit der eigenen Form zu tun und viel mit dem Gegner. Union hat sich in Berlin eingemauert und Dortmund das Spiel überlassen. Frankfurt macht das nicht, Frankfurt kann das auch nicht wirklich. Die Eintracht vertraut darauf, mit ihrer Offensive immer irgendwie zu treffen, und genau deshalb öffnet sie Räume. Für ein Team, das vorne gerade klemmt, ist so ein Gegner wie ein Dosenöffner.
Andersrum gilt das auch. Frankfurt wird in Dortmund nicht nur verteidigen, und die 1,1 auf ihrer Seite sagen: Ein Gegentor ist für den BVB diesmal ziemlich realistisch. Die weiße Weste, die Kobel zuletzt bei Union festgehalten hat? Würde ich diesmal nicht darauf zählen. Ein 2:1 passt da perfekt ins Bild – der Favorit gewinnt, muss dafür aber etwas tun.
Der Abend, an dem der Knoten platzt?
Was spricht gegen Dortmund? Ehrlich gesagt nicht viel außer der Müdigkeit. Dienstag Baku, Samstag Topspiel, dazwischen Reisestress – Kovac hatte schon in Berlin kräftig rotiert. Die 19 % Remis sind kein Hirngespinst, und die 16 % für Frankfurt zeigen: Die Eintracht ist kein Kanonenfutter, nur eben Außenseiter. Und wer ehrlich ist, gibt zu, dass auch die Engine danebenliegen kann – in der Bundesliga trifft sie 56 % ihrer Tendenzen.
Unterm Strich sehe ich hier einen BVB, der nach zwei zähen Ligaspielen gegen einen offenen Gegner endlich wieder Platz zum Atmen bekommt. Kovacs Premiere fällt aus. Die Frage ist eher, ob Frankfurt mit Hütter wenigstens ein bisschen von 2021 heraufbeschwören kann – oder ob die Hessen wieder mit leeren Händen zurück an den Main fahren.
Wie siehst du das: Platzt bei Guirassy und Co. der Knoten, oder wird das der nächste Abend zum Haareraufen?
Und trotzdem: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
Bundesliga, 8. Spieltag: alle Prognosen auf einer Seite ›
Die Prognose zu dieser Partie im Detail
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