Wochenbilanz · 26. Oktober 2026
Wochenbilanz KW 43: 55 Prozent und ein fehlerfreies Schottland
Ein Prozentpunkt. Klingt nach nichts, ist aber genau der Unterschied zwischen „läuft" und „läuft gerade so". 227 von 412 Tendenzen hat die Prorakel-Engine in Kalenderwoche 43 getroffen. Das sind 55 Prozent und damit ein Tick über dem Saisonschnitt von 54 Prozent aus 4494 ausgewerteten Spielen. Ein Feuerwerk ist das nicht, ganz ehrlich. Aber bei über 400 Partien in sieben Tagen ist Konstanz die härtere Disziplin als der eine spektakuläre Glücksgriff. Wer jede Woche ein bisschen über Schnitt liegt, hat am Saisonende mehr in der Hand als der Kollege aus der Tipprunde, der einmal richtig liegt und das dann monatelang erzählt.
Sechs Spiele, sechs Volltreffer
Fangen wir mit dem an, was richtig Spaß gemacht hat. In Schottlands höchster Liga hat die Engine diese Woche alles abgeräumt: 6 von 6. Weiße Weste, nichts anbrennen lassen. Sechs Spiele sind natürlich keine Saison. Wer daraus ableitet, der schottische Fußball sei jetzt durchschaubar, hat den Sport nicht verstanden. Eine weiße Weste bleibt trotzdem eine weiße Weste.
Gleich dahinter landete Dänemarks höchste Liga mit 5 von 6 Treffern. In Österreichs zweiter Liga saßen 6 von 8, auch das kann sich sehen lassen. Die Stärkste Ansage hat in 320 von 412 Spielen gestimmt, also in 78 Prozent der Fälle. Das ist die Zahl, auf die ich mich verlassen würde, wenn du mich nach dem Fundament dieser Woche fragst.
Als treffsicherste Prognose führt die Auswertung übrigens Stranraer gegen Tayport. Das Spiel endete 3:1 und die Tendenz war drin. Nicht gerade die Partie, für die du am Samstagabend die Sportschau einschaltest. Aber genau dort trennt sich saubere Datenlage von Bauchgefühl.
Kroatien, wir müssen reden
Jetzt der Teil, den andere gern unter den Teppich kehren. In der HNL, Kroatiens höchster Liga, lag die Engine bei null von drei Tendenzen richtig. Null Prozent. Da gibt es nichts zu beschönigen, das war ein Totalausfall.
Mit drei Spielen gewinnst du allerdings nicht mal einen Kneipenstreit, geschweige denn fällst du ein Urteil über ein ganzes Modell. Die Zahl steht, sie ist bitter, und sie ist eine sehr kleine Stichprobe. Beides stimmt gleichzeitig. Dass Kroatiens zweite Liga mit 2 von 7 direkt hinterherstolpert, macht die Sache nicht hübscher. Für mich ist das eher ein Hinweis, dort genauer hinzuschauen, als ein Grund zur Panik.
Mehr wurmt mich ehrlich gesagt England. In der Championship, Englands zweiter Liga, saßen nur 4 von 13 Tendenzen. Dreizehn Spiele sind schon eine Hausnummer, da kann man sich nicht mehr hinter dem Zufall verstecken. Diese Liga ist seit jeher ein Biotop für Ergebnisse, die keiner kommen sieht. Das erklärt manches, entschuldigt aber nichts. In Portugals und Hollands höchster Liga kamen wir auf je 3 von 9, auch dort war die Woche zäh.
Und dann ist da noch der größte Fehlgriff: Bodo/Glimt gegen Valerenga endete 0:1, die Tendenz lag daneben. So etwas passiert. Es ärgert trotzdem jedes Mal.
Exakte Ergebnis-Prognosen gab es übrigens 46 von 412. Das ist die Königsdisziplin, und da gewinnt man keine Schönheitspreise.
Eine Kette, ein Sonntag
Sieben Anker-Ketten wurden geschmiedet, sechs davon haben gehalten. Die eine, die gerissen ist, kam am Sonntag zu Fall. Sie bestand aus drei Ansagen auf jeweils mehr als 1,5 Tore: FC Basel gegen Grasshoppers Zürich, Atalanta Bergamo gegen Frosinone und Silkeborg IF gegen den FC Nordsjælland. Bei einer Kette reicht ein torarmer Nachmittag, und alles ist dahin. Sechs von sieben ist trotzdem eine Bilanz, mit der ich gut schlafen kann.
Im Blog hatten wir uns diese Woche Konyaspor gegen Gençlerbirligi vorgenommen, Titel: „Ein Tor trifft auf 14 Gegentore". Das Spiel endete 2:0. Die Tendenz saß, die Ergebnis-Prognose von 1:0 knapp nicht. Ein Tor zu viel für den Volltreffer, aber die Richtung stimmte.
Der Münzwurf mit Schlagseite
Eine Ansage gegen die Tabelle gab es diese Woche nicht. Die knappste Ansage war deshalb ausgerechnet die Partie aus unserem Blog: Konyaspor gegen Gençlerbirligi. Die Konfidenz der Tendenz lag bei gerade mal 52 Prozent. Das ist kaum mehr als ein Münzwurf, bei dem die Münze ein bisschen schief liegt. Die Engine hat sich trotzdem festgelegt, statt sich ins Unentschieden zu flüchten.
Gewagt war das, weil bei 52 Prozent eigentlich alles offen ist. Eine knappe Datenlage verzeiht keine Fehler im Detail. Am Ende stand ein 2:0, und die Ansage ist aufgegangen. Klarer als mit zwei Toren Unterschied kann ein Spiel eine Wackel-Prognose kaum bestätigen.
Lieber konstant als spektakulär
Unterm Strich war es eine solide Woche mit einem Hauch Plus gegenüber dem Saisonschnitt. Dazu kamen ein schottischer Volltreffer und ein paar Ligen, in denen es hakte. Kroatien bleibt ein Fragezeichen, England eine Baustelle. Was ist dir lieber: eine Engine, die Woche für Woche knapp über Schnitt liegt, oder eine, die einmal glänzt und dann drei Wochen lang abschmiert? Ich weiß, wofür ich mich entscheide.
Und trotzdem: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
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