Saison 26/27

La Liga · 1. November 2026

Athletic Bilbao gegen Real Sociedad: Fast zwei Jahre ohne Derbysieg

November 2024. So lange ist es her, dass Athletic Bilbao die Real Sociedad zuletzt geschlagen hat. In der vergangenen Saison gab es vier Duelle, und die Bilanz ging klar an die Gäste aus San Sebastián: drei Siege und ein Remis. Das letzte davon war ausgerechnet das Halbfinale im spanischen Pokal. Für einen Klub wie Athletic ist das keine Formdelle mehr, das ist eine offene Wunde. Am Sonntag hat San Mamés die nächste Gelegenheit, sie zu schließen.

Und ganz ehrlich: Die Chancen stehen besser, als die Formkurve vermuten lässt. Die Prorakel-Engine sieht die Gastgeber mit 46 Prozent vorn, die Real kommt auf 28, das Remis auf 26 Prozent. Die Ergebnis-Prognose lautet 1:0. Kein Spektakel, sondern ein Derby, wie es im Buche steht: eng, giftig, und am Ende entscheidet ein einziger Treffer.

Dortmund trifft Stuttgart, nur eben im Baskenland

Für dich als Bundesliga-Gucker hat dieses Spiel einen Bonus, den du nicht unterschätzen solltest. Auf Athletics Bank sitzt Edin Terzić, der frühere Trainer von Borussia Dortmund, seit diesem Sommer im Amt. Gegenüber steht Pellegrino Matarazzo, früher in Stuttgart und Hoffenheim, inzwischen Cheftrainer der Real Sociedad. Die beiden kennen sich aus der Bundesliga, wo sie schon mehrfach aufeinandertrafen – jetzt stehen sich zwei ausländische Trainer in einem baskischen Derby gegenüber. Das gab es in den letzten Jahren selten.

Matarazzo hat die Marschroute vorgegeben: Sein Team müsse in allen Bereichen die beste Version von sich zeigen, um das Spiel zu gewinnen. Das klingt nach Pressekonferenz-Standard, ist in diesem Fall aber einfach nur realistisch. San Mamés ist für die Txuri-Urdin seit Jahrzehnten ein ungemütlicher Ort: Von allen Derbys in Bilbao haben die Gäste nur sehr wenige gewonnen. Klar, Geschichte schießt keine Tore. Aber sie sitzt bei jedem Zweikampf auf der Tribüne und brüllt mit.

Die Real ist besser drauf – und trotzdem nicht Favorit

Schau dir die letzten fünf Pflichtspiele an, und du fragst dich kurz, ob jemand die Teams vertauscht hat. Real Sociedad: 13 Punkte, 17:6 Tore. Athletic: 8 Punkte, 11:4. Die Mannschaft von Matarazzo hat einen holprigen Saisonstart umgebogen und findet wieder Konstanz in ihren Ergebnissen. Am letzten Spieltag gab es einen souveränen 2:1-Sieg gegen Levante. Die Real steht damit in der Tabelle weit oben und klopft an die Champions-League-Plätze.

Bei Athletic sah es lange anders aus. Die Mannschaft blieb vier Ligaspiele in Folge sieglos: Remis gegen Elche, Alavés und Valencia, dazu eine Niederlage bei Levante. Dann kam der Knoten-Löser: Vier Tore gegen Getafe, sechs gegen Prat im Pokal und vor allem die Stabilität, die Terzićs Team in beiden Spielen ausgestrahlt hat, haben die Zweifel weitgehend ausgeräumt. Und beim Pokalausflug mussten Iñaki und Nico Williams, Vivian, Berenguer, Hugo Rincón und Unai Simón nicht einmal von der Bank aufstehen. Die Stammkräfte sind also ausgeruht.

Warum die Engine trotzdem auf Athletic setzt? Weil die Form zwar für die Real spricht, sonst aber vieles für die Gastgeber. Die Einstufung beider Teams ist praktisch identisch, also gibt der Heimvorteil den Ausschlag. Bei den erwarteten Toren steht es 1,6 zu 1,2 für Athletic. Und vier Gegentore in fünf Spielen zeigen eine Abwehr, die gerade wenig zulässt. Meine These: Die 17:6 der Real sind beeindruckend, aber ein Lauf gegen Levante ist etwas anderes als ein Abend in einem Hexenkessel, der seit fast zwei Jahren auf Rache wartet.

Ein Lazarett mit Lichtblick

Die schlechteste Nachricht für Terzić ist schon ein paar Wochen alt. Gorka Guruzeta hat sich in Valencia das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen und fällt für den Rest der Saison aus. Damit fehlt der klassische Mittelstürmer, der Flanken verwertet und Bälle festmacht. Im Mittelfeld fehlt Iñigo Ruiz de Galarreta, der sich gegen Getafe eine mittelschwere Verletzung am hinteren Oberschenkel zugezogen hat. Den Sechser-Raum besetzt nun Beñat Gerenabarrena, der die Lücke schon gegen Getafe gefüllt hat. Innenverteidiger Unai Egiluz kämpft sich weiter von seiner schweren Knieverletzung zurück.

Und Oihan Sancet? Unsere Ausfallliste führt ihn noch, die Nachrichten aus dem Training klingen aber besser. Sancet hat wieder mit der Mannschaft trainiert, nachdem er eine mittelschwere Muskelverletzung in der linken Wade überstanden hat, und Terzić hofft, ihn für San Mamés zur Verfügung zu haben. Ob es für die Startelf reicht, ist eine andere Frage. Aber allein ein Sancet, der von der Bank kommt, verändert ein enges Derby.

Bei der Real wiegt eine Personalie schwer: Neben dem Langzeitverletzten Álvaro Odriozola fällt kurzfristig auch Arsen Zakharyan aus, wegen einer Verletzung am Knöchel. Der Russe hat sich die Bänderverletzung im Training zugezogen, obwohl man anfangs noch auf ein Comeback rechtzeitig zum Spiel gehofft hatte. Dazu kommt der junge Innenverteidiger Luken Beitia, der sich nach dem Spiel gegen Deportivo im Training am linken Knöchel verletzt hat. Das ist kein Kahlschlag, aber die Real verliert genau die Spieler, die zwischen den Linien für Überraschungen sorgen können.

Warum ein 1:0 hier mehr ist als eine Verlegenheitslösung

Jetzt zu den Zahlen, die die Geschichte erzählen. Die Prorakel-Engine stuft ihre Tendenz für Athletic als SOLIDE ein, der Abstand zum Remis beträgt 19 Prozentpunkte. Ein Selbstläufer ist das nicht, eine Laune aber auch nicht. Die Stärkste Ansage der Engine lautet: Athletic Bilbao o. Remis (72 %). Anders gesagt: Ein Derbysieg der Real wäre gemessen an der Datenlage die Überraschung des Abends.

Dazu kommt die Tore-Einschätzung: Unter 3,5 Tore (69 %). Das passt zu dem, was du von solchen Abenden kennst. Viel Nickeligkeit, viele zweite Bälle, Gegenpressing bis zur Erschöpfung und wenig Platz für Schönspielerei. Dass Athletic in den letzten fünf Spielen nur vier Gegentreffer kassiert hat, macht die Bude für die Real nicht größer. Und ohne Guruzeta wird Athletic eher über die Flügel kommen, die Williams-Brüder auf den Außen, als den Ball mit Wucht durchs Zentrum zu prügeln.

Ein Remis mit 26 Prozent bleibt natürlich eine echte Option. In Derbys gibt es dafür keine Ehrenrunde, aber manchmal ist ein Punkt eben das, worauf sich beide Trainerbänke stillschweigend einigen, wenn die Beine in der Schlussphase schwer werden. Ich glaube aber, dass San Mamés das diesmal nicht hinnimmt. Fast zwei Jahre ohne Sieg gegen den Nachbarn sind für dieses Publikum lange genug.

Zur Einordnung der Engine selbst: In La Liga liegt die Prorakel-Engine bei 59 % getroffenen Tendenzen (n=104). Wenn du die Prognose also in deine Tipprunde einträgst, weißt du, worauf du dich einlässt: Die Engine liegt öfter richtig als falsch, eine Glaskugel ist sie aber nicht.

Die Frage, die über allem schwebt

Die Real hat die bessere Form, Athletic das bessere Stadion, und beide Trainer kennen ihr Gegenüber besser, als es in Spanien üblich ist. Am Ende läuft es auf eine Frage hinaus: Ist die Siegesserie der Real stark genug, um den Fluch von San Mamés noch einmal zu brechen? Oder ist das genau der Abend, an dem Bilbao seinen Derbyfrust in neunzig Minuten abbaut?

Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.

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Die Prognose zu dieser Partie im Detail

Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.

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