Wochenbilanz · 2. November 2026
Wochenbilanz KW 44: 54 Prozent, und genau da gehören wir hin
Langweilig? Von wegen. 253 von 471 Tendenzen saßen in Kalenderwoche 44, also 54 Prozent. Das ist exakt der Wert, den die Prorakel-Engine über die ganze Saison hält, gemessen an 4965 ausgewerteten Spielen. Klingt unspektakulär, ist aber das größte Kompliment, das man einem Modell machen kann: Es liefert. Woche für Woche, ohne den großen Absturz, der dir den Sonntagabend versaut.
Ich behaupte sogar: Eine Woche genau auf dem Schnitt ist mehr wert als eine Ausreißer-Woche nach oben. Ausreißer nach oben sind meistens Glück. Konstanz ist Handwerk.
Wo die Engine richtig aufgedreht hat
In Portugals höchster Liga hat die Engine diese Woche fast alles abgeräumt: 7 von 8 Tendenzen (88 %). Da hat die Datenlage klar gesprochen, und die Spiele haben brav zugehört.
Fast genauso sauber lief es in Norwegens zweiter Liga, mit 6 von 7 (86 %). Ausgerechnet ein Wettbewerb, den hierzulande kaum jemand am Wochenende im Blick hat. Und dann der dänische Pokal. Pokal heißt doch eigentlich: Alles kann passieren, der Underdog wittert seine Chance, die Logik macht Pause. Diese Woche passierte trotzdem meistens das, was die Engine angesagt hatte, nämlich 5 von 6 (83 %).
Die Stärkste Ansage, also die Prognose, bei der sich die Engine pro Spiel am sichersten war, saß 342 von 471 Mal (73 %). Dazu kommen 48 exakte Ergebnis-Prognosen. Das ist kein Feuerwerk, aber ein ordentlicher Arbeitsnachweis.
Spanien, zweite Liga: die große Null
Ganz ehrlich, das tut weh. In Spaniens zweiter Liga hat die Engine diese Woche keine einzige Tendenz getroffen: 0 von 8, also 0 Prozent. Das war kein knapper Fehlschuss, das war ein kompletter Blackout.
Und es blieb nicht der einzige graue Fleck. In Finnlands höchster Liga, in Irlands Oberhaus und in Polens zweiter Liga lief es ebenfalls zäh. Auch in Schottlands Premiership kam die Engine nur auf 2 von 9 (22 %). Papier hält in Schottland offenbar nicht besonders viel.
Trotzdem gehört eine Einordnung dazu. Acht Spiele sind eine Stichprobe, keine Diagnose. Wer nach acht Partien ein Urteil über ein Modell fällt, entlässt auch Trainer nach dem dritten Spieltag. Insgesamt flossen 49 Wettbewerbe mit mindestens drei Spielen in die Woche ein, und die Ausreißer nach unten wie nach oben gleichen sich am Ende genau dort aus, wo die Gesamtzahl steht: bei 54 Prozent. Die Null bleibt eine Null, und sie wird beobachtet. Ein Urteil über die Engine ist sie aber nicht.
Fünf Ketten halten, eine reißt am Sonntag
Bei den Anker-Ketten sieht die Woche richtig gut aus: 6 abgerechnet, 5 gehalten, 1 gerissen. Die gerissene Kette erwischte es am Sonntag, dem 1. November. Sie bestand aus dreimal „Über 1,5 Tore“: Trabzonspor gegen Gaziantep FK, Como 1907 gegen Venezia FC und Frosinone gegen den FC Turin. Mindestens eine der drei Partien hat nicht mitgespielt, und schon ist die ganze Kette hin. So ist das bei Ketten: Ein schwaches Glied reicht.
Die Blog-Artikel der Woche gingen einmal auf und einmal nicht. Bei Konyaspor gegen Galatasaray stimmte die Tendenz. Angesagt war ein 0:2, geworden ist es ein 0:4. Galatasaray hat also nicht nur geliefert, sondern gleich doppelt nachgelegt. Die Ergebnis-Prognose war damit daneben, die Richtung aber goldrichtig. Das andere Stück führt direkt zur knappsten Ansage der Woche.
Ein kurioses Detail noch am Rand: Zweimal endete ein Spiel diese Woche 4:1, und es waren zwei völlig verschiedene Geschichten. Bei Alanyaspor gegen 12 Bingölspor lag die Engine richtig, das war die treffsicherste Prognose der Woche. Bei Bitlis Özgüzelderespor gegen Kayserispor dagegen, einem Duell mit einem Namen, den du vermutlich noch nie gehört hast, lag sie mit der Tendenz daneben. Das war der größte Fehlgriff der Woche, gleicher Endstand, null Trost.
Wir haben die Festung beschrieben und sind trotzdem dagegen gelaufen
Holstein Kiel gegen Hoffenheim. Der Artikel dazu hieß „Kramarić gegen die Remis-Festung“, und im Nachhinein liest sich dieser Titel wie eine Warnung, die wir selbst überhört haben.
Die Prorakel-Engine sah Hoffenheim vorn und sagte ein 1:2 an, allerdings mit einer Konfidenz von nur 65 Prozent. Das ist keine breite Brust, das ist eher ein vorsichtiges Nicken. 65 Prozent heißen eben auch, dass ein ordentliches Stück Restunsicherheit bleibt. Genau in diese Lücke ist das Spiel gefallen: 1:1. Die Festung hat gehalten, die Ansage ist nicht aufgegangen.
Ärgerlich? Klar. Aber genau dafür steht die Konfidenz dabei. Sie ist der Beipackzettel, den man lesen sollte, bevor man eine Prognose in die Tipprunde mit den Kollegen überträgt.
Lieber stur als launisch
Was ist dir eigentlich lieber: ein Modell, das eine Woche glänzt und in der nächsten abschmiert, oder eins, das stur seine 54 Prozent abliefert, mit Ausreißern hier und Totalausfällen dort, die sich am Ende gegenseitig wegheben? Ich weiß, wofür ich mich entscheide. Portugal nehmen wir gern mit, Spaniens zweite Liga schauen wir uns genauer an, und Kiel bekommt beim nächsten Mal etwas mehr Respekt.
Wie immer gilt: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
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