Conference League · 5. November 2026
Trabzonspor gegen Freiburg: Fünf Siege, Salah und ein Prüfstein
Fünf Pflichtspiele, fünf Siege, 14:5 Tore. In Trabzon gibt es gerade keinen Grund zum Grübeln. Die Mannschaft rollt, das Stadion kocht, und vorne läuft ein gewisser Mohamed Salah im weinroten Trikot herum. Und jetzt kommt Freiburg. Das ist der erste Gegner in dieser Serie, der aus der Europa League mehr kennt als die Qualifikation. Meine These: Diese Serie ist echt, aber am Donnerstagabend wird sie zum ersten Mal richtig geprüft.
Ganz ehrlich, wer jetzt auf eine klare Sache hofft, wird von der Prorakel-Engine enttäuscht. 41 % für Trabzonspor, 26 % Remis, 32 % für Freiburg. Die Engine stuft das als OFFEN ein, und das passt. Die Ergebnis-Prognose lautet 2:1. Das ist aber nur das wahrscheinlichste von mehreren Ergebnissen, die fast gleich wahrscheinlich sind, und keine Ansage. Das Remis mit 26 % ist eine ganz reale Möglichkeit und kein Trostpreis für Leute, die sich nicht entscheiden können.
Ein Ägypter am Schwarzen Meer
Für alle, die die türkische Süper Lig nur vom Durchzappen kennen: Trabzonspor ist der große Klub von der Schwarzmeerküste. Seit Jahrzehnten ist er der einzige ernsthafte Störenfried, wenn die Istanbuler Riesen die Titel unter sich ausmachen wollen. In der vergangenen Saison lief es in der Liga gut. In der Qualifikation zur Europa League gab es dann gegen Ferencváros eine richtig böse Abreibung, und Trabzonspor rutschte in die Conference League.
Unter die Räder ist Trabzonspor seitdem nicht mehr gekommen. Im Sommer kam Salah, laut türkischen Medien wohl der spektakulärste Transfer, den das Land je gesehen hat. Der Ägypter hat in beiden Spielen der Ligaphase getroffen, gegen Hearts aus Schottland und beim finnischen Klub KuPS. In der Liga hat er auch gegen Beşiktaş getroffen. Neben ihm verteilt Ernest Muçi gerade Vorlagen wie andere Leute Flyer in der Fußgängerzone.
An der Seitenlinie steht Thomas Reis. Der deutsche Trainer ist bei Trabzonspor bisher ungeschlagen. Kurioserweise hat er seine Elf gegen KuPS und Hearts kräftig durchrotiert und trotzdem gewonnen. Das sagt viel über die Breite dieses Kaders. Oder es sagt etwas über die Qualität der bisherigen Gegner. Ich tendiere zu Letzterem.
Zu Hause im Papara Park ist dieses Team im Moment eine Wand. Wer schon mal ein Flutlichtspiel in Trabzon gesehen hat, weiß: Da pfeifen nicht nur die Fans, da pfeift gefühlt das ganze Schwarze Meer mit.
Sechs Namen auf der Liste
Jetzt kommt das Aber, und das ist kein kleines. Trabzonspor fehlt einiges. Sidny Lopes Cabral, Nationalspieler von den Kapverden, ist nach seiner Roten Karte gegen Hearts gesperrt. Noch schwerer wiegt der Ausfall von Franculino Djú. Der Stürmer aus Guinea-Bissau hat in der Ligaphase genauso fleißig getroffen wie Salah. Er hat sich aber im Ligaspiel gegen Rizespor am Oberschenkel verletzt und fällt voraussichtlich bis Mitte November aus.
Auf der Verletztenliste stehen außerdem Arseniy Batagov, Aral Şimşir, Okay Yokuşlu und Ruslan Malinovskyi. Malinovskyi kennst du vielleicht noch aus seiner Zeit bei Atalanta. Dazu fehlt ein junger Torhüter. Das sind keine Namen, über die man achselzuckend hinweggeht.
Bisher hat Reis die Lücken mit Rotation zugedeckt. Gegen KuPS ging das gut. Gegen ein Bundesliga-Team, das genau weiß, wo der Sechser-Raum anfällig wird, ist das eine ganz andere Hausnummer.
Freiburg und das Gegentor-Problem
Kommen wir zu den Gästen. Freiburg steht in der Bundesliga oben mit drin. Wenn du allerdings auf die letzten fünf Pflichtspiele schaust, siehst du eine Achterbahn: zwei Siege, davor drei Niederlagen, 7:11 Tore.
Das Heimspiel zum Auftakt der Ligaphase gegen Jablonec aus Tschechien hat Freiburg knapp gewonnen. Danach gab es in Monaco eine deutliche Klatsche und anschließend eine Pleite gegen Bayern. Die Mini-Krise endete mit dem Pokalsieg gegen Wolfsburg und einem Auswärtssieg in Augsburg. Den Sieg in Augsburg hat übrigens die Bank geholt. Freiburg lag hinten, dann trafen die Joker Igor Matanović und Cyriaque Irié und drehten das Spiel noch. Matanović hat in den letzten beiden Spielen jeweils getroffen.
Das ist die gute Nachricht für Freiburg. Die schlechte: Hinten ist das gerade kein Bollwerk. Freiburg hat schon eine ganze Weile kein Spiel mehr ohne Gegentor beendet, und auswärts in Europa ging zuletzt das meiste schief. Und dieses Team schickst du jetzt zu einem Gegner, der zu Hause zuverlässig trifft? Na dann.
Klar, Freiburg hat inzwischen echte Europa-Erfahrung. In der vergangenen Saison standen die Breisgauer zum ersten Mal überhaupt in einem europäischen Finale. Das haben sie in Istanbul gegen Aston Villa verloren. Die Türkei ist für sie also kein Neuland. Und die Personallage ist erfreulich: Philipp Treu, frisch Nationalspieler, ist nach seiner Knöchelverletzung wieder fit und eine Option für die Startelf. Sonst meldet Freiburg keine Ausfälle.
Ein Duell solltest du dir merken. Kapitän Christian Günter könnte als Linksverteidiger direkt gegen Salah spielen. Günter hat selbst gesagt, dass man Salah nur als Kollektiv in den Griff bekommt. Bei Salah muss man genau das wohl auch.
Ein Klassenunterschied, den es nicht gibt
Hier liegt für mich der Kern des Spiels. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde der heiße Turbo-Tabellenführer auf den angeschlagenen Bundesligisten treffen. Die Einstufung erzählt eine nüchternere Geschichte: 1678 für Trabzonspor, 1653 für Freiburg. Das ist fast nichts. Zwei Teams auf Augenhöhe, von denen eins gerade einen Lauf hat.
Bei den erwarteten Toren sieht es ähnlich aus: 1,6 zu 1,4. Das ist kein Bild von einem Gastgeber, der den Gegner an die Wand spielt. Eher von einem Spiel, in dem beide Seiten ihre Chancen haben werden. Die Prorakel-Engine rechnet trotzdem nicht mit einem Torfestival: Die Wahrscheinlichkeit für unter 3,5 Tore liegt bei 65 %. Ein 2:1 passt da also ganz gut ins Bild, ein 1:1 aber genauso.
Die Stärkste Ansage der Engine ist deshalb auch nicht der Heimsieg, sondern die Absicherung: Trabzonspor o. Remis (68 %). Das finde ich vernünftig. Die Engine erkennt die Form und den Heimvorteil von Trabzonspor an, will sich aber nicht festlegen, dass die Serie hält. In der Conference League liegt die Trefferbilanz der Prorakel-Engine bei 60 % (n=242). Das ist ordentlich, aber auch eine ehrliche Erinnerung daran, dass dieser Wettbewerb gerne Überraschungen liefert.
Wo ich mich festlege – und wo nicht
Also, wohin tendiere ich? Ich glaube eher an Trabzonspor als an Freiburg. Nicht wegen der Serie an sich, Serien gewinnen keine Spiele. Sondern weil ich Freiburgs Abwehr gerade nicht zutraue, Salah und Muçi zu stoppen, wenn Papara Park Druck macht. Gleichzeitig sehe ich kaum ein Szenario, in dem Freiburg ohne eigenes Tor nach Hause fliegt. Mit Matanović, Irié und Vincenzo Grifo hat Schuster zu viel Qualität im Kader, die von der Bank kommen kann.
Die Datenlage gibt aber nicht mehr her als eine leichte Tendenz. 41 zu 32, mit 26 % Remis dazwischen: Das ist kein Vorsprung, das ist ein kleiner Schritt. Wenn Trabzonspor die Ausfälle nicht auffangen kann, ist ein Unentschieden genauso plausibel wie das 2:1.
Also die Frage an dich, bevor du deine Prognose in die Tipprunde einträgst: Glaubst du an die Serie oder an die Freiburger Bank? Und trotzdem: Auch ein Orakel kennt seine Grenzen.
Die Prognose zu dieser Partie im Detail
Wahrscheinlichkeiten, Formkurven und die stärkste Ansage — direkt auf der Spielkarte der Prorakel-Engine.